Temporärarbeit: Weko lässt Zürcher Spitäler vom Haken

Trotz Verdacht auf heikle Absprachen eröffnet die Wettbewerbskommission kein Verfahren. Die Spitäler profitieren davon, dass ihr Temporärpersonal-Entscheid den Arbeitsmarkt betrifft – also eine Grauzone.

, 16. September 2025 um 12:59
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Symbolbild: Aktion «We are nurses»
Die Wettbewerbskommission des Bundes verzichtet darauf, die Zürcher Spitäler auf kartellrechtswidrige Absprachen hin zu untersuchen. Dies bestätigte die Weko gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung».
Zuvor hatte Swissstaffing eine Anzeige wegen möglichen Marktmissbrauchs eingereicht: Damit reagierte der Temporär-Branchenverband darauf, dass die 35 Mitglieder des Verbands Zürcher Krankenhäuser sowie die 9 Mitglieder der Vereinigung Zürcher Privatkliniken im Februar zusammen vermeldet hatten, künftig auf Temporärpersonal in der Pflege zu verzichten.
«Der Fall hat genug interessante Aspekte, die wir in einer Vorabklärung hätten prüfen können», sagt Olivier Schaller, Vizedirektor der Wettbewerbskommission, nun zur NZZ. Auch hatten die Kartell-Überwacher im Frühsommer mit einer «Marktbeobachtung» reagiert; in solchen Fällen kontaktiert das Gremium jeweils beteiligte Unternehmen, um sie für «die Tragweite des Kartellgesetzes» zu sensibilisieren.
Dass die Weko nun trotzdem keine kartellrechtliche Untersuchung startet, liegt offenbar daran, dass der Spital-Streit den Bereich des Arbeitsmarktes betrifft. Nach einer Intervention zu Lohnabsprachen bei Banken im Jahr 2022 ernteten die Kartellwächter Kritik von beiden Seiten – Arbeitgebern wie Arbeitnehmern. Daher will die Weko nun einen Verhaltenskodex zum Verhalten im Arbeitsmarkt erarbeiten und bis dahin will sie keine Fälle aus diesem Feld mehr aufgreifen.
  • Personalvermittler propagieren Sparen mit Temporär-Pflegefachkräften. Neuer Schlagabtausch im Streit um den Einsatz von Temporär-Personal: Die Personalvermittler bringen ein Gutachten zum Sparpotenzial.
  • Temporärarbeit: Swissstaffing gewinnt vor Bundesgericht. Das Gericht hob eine Regelung des Kantons Neuenburg auf, die Temporärarbeit im öffentlichen Beschaffungswesen pauschal einschränkte.

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