Wallis: Zwei Ärztinnen schuldig gesprochen

Das Bezirksgericht Visp verurteilt eine Notfallärztin und eine Radiologin nach dem Tod eines Apothekers wegen fahrlässiger Tötung.

, 27. November 2025 um 14:32
image
Spitalzentrums Oberwallis (SZO) Bild: zvg
Das Bezirksgericht Visp hat am Donnerstag sein Urteil im Fall des vor fünf Jahren verstorbenen Walliser Apothekers gefällt: Der Richter sprach eine 56-jährige Notfallärztin und eine 60-jährige Radiologin des Spitalzentrums Oberwallis (SZO) wegen fahrlässiger Tötung schuldig.
Der Patient – ein 48-jähriger Apotheker – war am 9. September 2020 mit starken Kopfschmerzen und Brustdruck in die Notaufnahme eingeliefert worden. Am darauffolgenden Morgen verstarb er.
Das vom Staatsanwalt angeordnete Gutachten kam zum Schluss, dass beide Ärztinnen die Aortendissektion, die zum Tod führte, hätten erkennen müssen. Die Radiologin wurde zudem beschuldigt, nach dem Tod einen Bericht rückdatiert und verändert zu haben, was sie bestreitet.

Härtere Strafen als gefordert

Während der Verhandlung am 8. Oktober, über die «Pomona» und «24 heures» berichteten, erklärten beide Ärztinnen, sie hätten «immer nach bestem Wissen und Gewissen und sorgfältig gehandelt».
Die Radiologin kommentierte die Vorwürfe während des Prozesses nicht und stützte sich auf die Plädoyers ihres Anwalts. Die Notfallärztin war bei der Urteilsverkündung, über die der «Blick» berichtete, nicht anwesend.
Laut «Pomona» hatte die Staatsanwaltschaft für die Notfallärztin eine Geldstrafe von 22’000 Franken und für die Radiologin eine Geldstrafe von 60’000 Franken sowie eine Busse von 4000 Franken beantragt. Der Richter verhängte jedoch höhere Strafen und begründete dies damit, dass «der Tod durch angemessene medizinische Massnahmen hätte verhindert werden können»:
  • Die Notfallärztin wird zu einer Geldstrafe von 16’000 Franken mit zweijährigem bedingten Vollzug verurteilt.
  • Die Radiologin wird wegen fahrlässiger Tötung und Urkundenfälschung verurteilt. Sie erhält eine bedingte Geldstrafe von 88’000 Franken sowie eine Busse von 9’900 Franken.
  • Beide Ärztinnen müssen zudem je zur Hälfte über 30’000 Franken an Verfahrenskosten sowie eine Entschädigung von 7000 Franken an die Witwe des Apothekers bezahlen..
Das Urteil kann noch angefochten werden.
  • spital wallis
  • recht
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Keine Journalisten im Arztkittel im Spital Wallis

So dreist sind Medienschaffende nicht: Gerüchte, wonach Journalisten in weissen Kitteln versucht hätten, Zugang zu Patienten zu erhalten, erweisen sich als unwahr.

image

Leukerbad Clinic: Neuer ärztlicher Direktor

Pierre Alain Triverio, bis vor Kurzem Direktor des Centre Hospitalier du Valais Romand am Spital Wallis, wird neuer ärztlicher Direktor der Leukerbad Clinic.

image

Wintersportler treiben Walliser Notaufnahmen an ihre Grenzen

Verletzte Skifahrerinnen und Snowboarder, viele Touristen und dazu Patienten mit Bagatellbeschwerden: In der Wintersaison stossen die Notfallstationen im Wallis an ihre Grenzen - und reagieren nun mit Massnahmen.

image

Tarifstreit vor Gericht: BAG widerspricht

Hat das Bundesverwaltungsgericht die FMCH-Beschwerde bereits materiell geprüft? Nein, sagt das BAG. Bisher liege lediglich eine Art Rückfrage vor. Deshalb bestreitet das Amt, dass die Beschwerde der Spezialärzte viel aufschiebende Wirkung entfaltet. Wer hat recht?

image

Das Teilen einer ZSR-Nummer bringt zwei Ärzte vor Gericht

In La Chaux-de-Fonds soll ein Proktologe über Jahre hinweg ohne kantonale Berufsausübungsbewilligung praktiziert haben. Dabei half ihm vermutlich ein Kollege.

image

Patient mit verätztem Kehlkopf scheitert mit Klage gegen Genfer Klinik

Das Bundesgericht spricht die Privatklinik Générale-Beaulieu frei. Sie kann nach Schadenersatzzahlungen von 1,5 Millionen Franken nicht noch mehr weiter belangt werden.

Vom gleichen Autor

image

Triemli behandelt Mädchen mit Off-Label-Medikament

Ein Team des Stadtspitals Zürich hat erstmals weltweit ein neunjähriges Kind mit erythropoetischer Protoporphyrie mit einem Medikament behandelt, das bislang nur für Erwachsene zugelassen ist.

image

Myokarditis nach Covid-Impfung: Neue Erklärungsansätze

Bestimmte Zytokine begünstigen eine überschiessende Entzündungsreaktion im Herzmuskel, Östrogene hemmen sie. Das zeigt ein Team der Stanford University. Hier liegt wohl eine Erklärung, weshalb die seltene mRNA-Nebenwirkung vor allem junge Männer betrifft.

image

Kinderspital Zürich kombiniert Diät und Medikamente im Kampf gegen Krebs

Eine Diät ohne Arginin und Prolin verändert den Stoffwechsel von Neuroblastenzellen, die ihre Fähigkeit zur unkontrollierten Teilung verlieren. In Verbindung mit DFMO eröffnet dieser Ansatz neue Perspektiven in der pädiatrischen Onkologie.