Prozessauftakt zu umstrittenem Bandscheibenimplantat

In Bern hat am Montag der Prozess gegen einen Berner Arzt begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem schwere Körperverletzung vor, weil er fehlerhafte Bandscheibenimplantate bei Patienten eingesetzt haben soll.

, 13. Januar 2026 um 06:41
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Symbolbild: Unsplash
Vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland hat am 12. Januar der Strafprozess gegen einen Berner Wirbelsäulenchirurgen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt schwere Körperverletzung vor.
Der Prozess dauert bis Ende Woche an; das Urteil wird am 9. Februar erwartet. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Im Zentrum des Verfahrens steht das Bandscheibenimplantat Cadisc-L, das der Chirurg ab 2011 bei sieben Schweizer Patientinnen und Patienten eingesetzt haben soll. Der Arzt war an der Entwicklung des Implantats beteiligt und implantierte das neuartige Produkt als Belegarzt im Berner Salem-Spital. Später zeigte sich, dass das Implantat fehlerhaft war und teils schwere Komplikationen verursachte. 2014 nahm die Herstellerfirma das Produkt vom Markt.

Mangelnde Aufklärung?

Gegenstand des Prozesses ist insbesondere die Frage, wie umfassend die Patientinnen und Patienten über die Risiken des Implantats aufgeklärt wurden. Zudem wird geprüft, ob der Arzt nach dem Rückruf des Produkts seiner Informations- und Betreuungspflicht nachgekommen ist. Laut Anklage unterliess er es, die Betroffenen zu informieren und medizinisch zu begleiten – obwohl die Herstellerfirma dies ausdrücklich verlangt hatte.
Eine weitere Rolle spielen mögliche Interessenkonflikte: Der Beschuldigte war als Berater für die britische Herstellerfirma Ranier tätig und hielt Aktienoptionen. Schadenersatzforderungen gegen das Unternehmen verliefen später im Sand, nachdem Ranier Konkurs anmeldete.
Die Verteidigung weist die Vorwürfe zurück und betont, der Arzt habe sich rechtlich wie auch berufsethisch korrekt verhalten.

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