Bekanntlich debattieren die Politiker in Bern seit fast zehn Jahren über eine Gebühr, die helfen soll, die Notfallstationen der Spitäler zu entlasten. Die sogenannte Bagatellgebühr soll auch in diesen Tagen wieder im Nationalrat behandelt werden.
Dabei geht es nun darum, dass die Kantone unter Umständen eine Gebühr erheben können, falls jemand ohne Überweisung in den Spitalnotfall gelangt.
Bekanntlich auch äusserten sich die Profis an der Front eher skeptisch, so unter anderem der
Pflegepersonal-Verband SBK. Und nun, just vor der Nationalrats-Debatte, melden sich auch die Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin SGNOR sowie der Verband Notfallpflege Schweiz: «Gebühr ist eine wirkungslose Massnahme, welche die Falschen trifft», so der Titel ihrer gemeinsamen Warnung.
Eine 50-Franken-Gebühr würde den bürokratischen Aufwand der Notfallstationen nicht decken, so ein Einwand. Zumal: «Die lange Liste der Ausnahmen erhöht unweigerlich den administrativen Aufwand und schmälert zudem den ohnehin bezweifelten Effekt.»
Die Notfallmediziner kommen jedoch auch mit eigenen Verbesserungsvorschlägen. Konkret schlagen sie vier Massnahmen vor:
- Eine landesweite Kampagne für mehr Eigenverantwortung in der Gesundheitsversorgung.
- Eine bessere Triage in Notfallsituationen durch eine unabhängige, nationale Telefonberatung. Die SGNOR verweist dabei auf das Modell «Healthdirect» in Australien. Erwähnt sei auch, dass die deutsche Regierung ebenfalls plant, stärker auf eine nationale Notfall-Telefonnummer zu setzen: Wer nicht gleich in den Notfall geht, sondern zuerst jene Nummer wählt, soll danach im Spital schneller behandelt werden. Selbsteinweiser müssen warten, sofern kein akuter medizinischer Handlungsbedarf besteht.
• Weiter schlagen SGNOR und Notfallpflege Schweizer vor, kostengünstige ambulante Angebote zu stärken, beispielsweise Notfallpraxen.
- Ferner die Förderung der Grund- und Notfallversorgung durch Generalisten, konkret durch Haus- und Notfallfachärzte.