Das Jahr 2025 war für die Schweizer Gesundheitsbranche ein Jahr voller Umbrüche, Debatten und richtungsweisender Entwicklungen. In der neuen Folge des Medinside-Podcasts blicken wir zurück auf die Themen, die die Branche am stärksten bewegt haben:
Die top Themen 2025
1 Der SIWF-Titelstau – Eskalation, Vertrauensverlust und Schadensbegrenzung
Ein Thema, das viele junge Ärztinnen und Ärzte direkt betroffen hat – und das bei Medinside monatelang ganz oben auf der Agenda stand. 2025 erreichte die Krise rund um das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung, kurz SIWF, ihren Höhepunkt. Über Monate hinweg stapelten sich dort tausende Dossiers. Facharzttitel wurden nicht oder massiv verspätet vergeben – mit ganz realen Folgen: blockierte Karriereschritte, verzögerte Lohnerhöhungen, wachsender Frust.
2 Tardoc – Neuer Tarif, neue Probleme
Wenn ein Thema 2025 das gesundheitspolitische Jahr dominiert hat, dann war es der neue ambulante Tarif: Tardoc. Über Monate hinweg haben wir bei Medinside verfolgt, wie der politisch gewollte Systemwechsel vorankommt – und gleichzeitig neue Konflikte auslöst. Schon im Sommer wurde klar: Tardoc startet nicht reibungslos. Im Juli reichten die Tarifpartner erste Nachbesserungen ein – sowohl beim Einzelleistungstarif als auch bei den neuen ambulanten Pauschalen. Damals war bereits absehbar: Der Tarif ist fehlerhaft, aber politisch nicht mehr aufzuhalten.
3 Brustkrebsscreenings – Eine Debatte mit Signalwirkung
Wie konkret die Auswirkungen von Tardoc sein können, zeigte sich 2025 besonders deutlich bei einem sensiblen Thema: der Finanzierung der Brustkrebsscreenings. Ausgangspunkt war die geplante massive Absenkung der Abgeltung für Screening-Mammographien – teilweise um fast 60 Prozent. Krebsgesellschaften sowie Radiologinnen und Radiologen warnten früh: Unter diesen Bedingungen seien die Untersuchungen nicht mehr kostendeckend zu erbringen. Die Brustkrebsvorsorge gerate real in Gefahr.
4 Chefärztelöhne und Transparenz
Ein weiteres Thema, das 2025 für viel Aufmerksamkeit sorgte, war die Frage nach den Löhnen von Chefärztinnen und Chefärzten – insbesondere im Kanton Bern. Dort verdienen 51 Chefärzte mehr als ein Bundesrat. Der durchschnittliche Jahreslohn lag 2024 bei rund 413’000 Franken – deutlich mehr als im Jahr zuvor. Zwei Spitzenverdiener kamen sogar auf über 700’000 Franken.
Bern ist schweizweit Vorreiter bei der Transparenz. Seit vier Jahren müssen Spitäler die Chefarztlöhne offenlegen – anonymisiert, aber vergleichbar. Andere Kantone ziehen nach. In Basel-Stadt etwa liegt der Durchschnittslohn am Universitätsspital bei rund 490’000 Franken. Politisch wird die Offenlegung mit der Hoffnung verbunden, die Gesundheitskosten zu dämpfen. Fachleute bezweifeln allerdings, dass dies viel bringt: Chefärzte sind zwar teuer, machen aber nur einen kleinen Teil der gesamten Spitalkosten aus.
5 Pflegefachkräftemangel und internationale Rekrutierung
Auch 2025 blieb der Pflegefachkräftemangel eines der drängendsten Probleme. Einige Spitäler versuchen, den Engpass mit Fachkräften aus dem Ausland abzufedern – mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen.
Das Kantonsspital Baselland beendete ein Pilotprojekt mit Pflegefachkräften aus den Philippinen nach 18 Monaten. Sprachliche Hürden und hoher Einarbeitungsaufwand machten das Modell wirtschaftlich nicht tragfähig. Anders das Kantonsspital Aarau. Dort wurden Pflegefachkräfte gezielt in Italien rekrutiert. Drei Jahre später arbeiten noch 22 von ursprünglich 32 am KSA – dank guter Vorbereitung, strukturiertem Onboarding und sozialer Integration.
6 Konzentration im Gesundheitswesen – Fusionen, Übernahmen, Netzwerke
Irgendwie wurde es gar nicht richtig bemerkt. Aber 2025 brachte im Gesundheitsbereich mächtige Verschiebungen – und die zeigen, wohin die Reise geht: Da übernahm die Alters- und Pflegeheim-Gruppe Tertianum die Senevita: Damit bekommt die Schweiz einen neuen Milliardenkonzern mit 11’000 Angestellten. Da schluckte das Universitätsspital Basel das Claraspital, gegründet 1928, das mit gut 1000 Angestellten pro Jahr gut 60’000 Menschen behandelt, ambulant und stationär. Womit das USB zum wohl grössten Unispital im Land aufsteigen wird.
Da übernahm der Schiffahrts- und Reederei-Riese MSC die Hirslanden-Gruppe. Kurz: Es entstehen grössere Gebilde, in der Hoffnung, dass damit alles effizienter wird. Das Muster spielt aber auch am anderen Ende – bei den klammen Kleinen.
Nach dem GZO Spital Wetzikon im vergangenen Jahr rutschte 2025 im Oberengadin ein weiteres Spital in die Nachlasstundung; der Konkurs-Geier kreist über ihnen, und deshalb müssen die Spitalleitungen momentan fieberhaft nach neuem Kapital fahnden (bei der Öffentlichkeit). Und – zweitens – suchen sie nach Anschluss: Auch im Zürcher Oberland und im Oberengadin weiss man, dass das Spital nur in einem Netzwerk überleben kann.
7 Epic – Kliniksoftware, Machtfrage, Datenschutz
Ein weiteres Thema, das 2025 für Diskussionen sorgte: die Beschaffung von so genannten Klinikinformationssystemen, kurz KIS. Das ist eigentlich ein sehr technisches Thema. Aber es gibt zu reden. Denn sowohl das Unispital Zürich als auch das CHUV in Lausanne und weitere Waadtländer Spitäler entschieden sich für die Software eines US-Konzerns namens Epic.
Die läuft bereits bei aderen Schweizer Spitalgruppen, insbesondere bei der Insel Gruppe. So dass die Berner Kantonsregierung jetzt fordert, dass alle Berner Listenspitäler auf Epic wechseln.
8 KI-Revolution im Gesundheitswesen
Anfang des Jahres sagte uns ein Kadermann eines Gesundheitsbetriebs mit mehreren hundert Angestellten: «Das Thema KI kann ich in der Geschäftsleitung wohl erst in einem oder zwei Jahren aufbringen.»
Ende dieses Jahres ist klar: Die Künstliche Intelligenz wird die Branche und die Gesundheitsberufe auf den Kopf stellen – und zwar rasch. Amerikanische Studien besagen, dass das Gesundheitswesen jener Sektor ist, der KI mit am entschlossensten einzusetzen beginnt. Das ist nur logisch: Künstliche Intelligenz hilft dort am meisten, wo es an Fachkräften fehlt.