Genfer Reederei-Riese übernimmt Hirslanden

Die grösste Privatklinik-Gruppe der Schweiz soll unter die Kontrolle der MSC-Gruppe kommen.

, 1. Dezember 2025 um 19:26
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Kreuzfahrtschiff «MSC Seaview» der MSC Cruises  |  Bild: PD
Die Spitalgruppe Hirslanden soll vollständig vom Reederei-Konzern MSC übernommen werden. Dieser hat seinen Sitz in Genf und wird von der italienischen Milliardärsfamilie Aponte kontrolliert.
Der Übernahme-Plan wurde am Montag Abend zuerst von der Wirtschaftszeitung «L’Agefi» vermeldet. «L'Agefi» berief sich dabei auf eine interne Mitteilung von Hirslanden, die an die Angestellten und die Belegärzte ging.
Detailliert beschrieben wird das Projekt auch in einem Statement für die Börse in Johannesburg.
  • Darin steht der internationale Mediclinic-Konzern im Zentrum. Die Spital-Gruppe mit Sitz in Südafrika ist die Muttergesellschaft von Hirslanden.
  • Mediclinic wiederum ist zur Hälfte im Besitz einer Holding namens Remgro; diese gehört der südafrikanisch-schweizerischen Familie Rupert (Richemont).
  • Ebenfalls beteiligt an Mediclinic ist die Mediterranean Shipping Company MSC – nämlich über eine Tochtergesellschaft namens IHL.

Südafrika, Naher Osten, Schweiz

Die Absichtserklärung zwischen Remgro und MSC besagt, dass der Reedereikonzern die Schweizer Hirslanden-Gruppe via IHL vollständig übernehmen will. Die südafrikanischen Teile von Mediclinic gehen derweil an die Remgro. Im Nahen Osten, wo Mediclinic ebenfalls aktiv ist, bleiben Remgro und MSC weiterhin gemeinsam beteiligt.
Die Vorankündigung aus Johannesburg richtet auch einige Worte an die Angestellten in den Kliniken: «Die Interessen der Mitarbeiter wurden und werden weiterhin sorgfältig berücksichtigt», heisst es da, «und die potenzielle Transaktion wird so strukturiert sein, dass Kontinuität und Stabilität für die Mitarbeiter und Patienten von Mediclinic gewährleistet sind.»

Klarere Trennung

Doch weshalb die Auftrennung? Man sei überzeugt, «dass die Übernahme der Eigentumsrechte in den jeweiligen Heimatmärkten die strategische und operative Ausrichtung verbessern und die Agilität im Umgang mit Marktdynamiken erhöhen wird», heisst es im Schreiben.
Der Deal werde die Eigentumsverhältnisse und die Führung «enger an die jeweiligen Heimatmärkte angleichen und es Remgro und IHL erlauben, ihre klinischen und operativen Strategien an die lokalen Marktdynamiken und Patientenbedürfnisse anzupassen.»
  • Die Hirslanden-Gruppe erzielte im ersten Halbjahr 2025/26 einen Umsatz von 930 Millionen Franken; gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum blieb dieser Wert unverändert. Das besagt ein neuer Finanzbericht der Remgro. Der Betriebsgewinn (Ebitda) stieg leicht an, von 106 Millionen Franken im Vorjahr auf 122 Millionen Franken im laufenden Jahr. Das Geschäftsjahr des Klinikkonzerns endet jeweils im März.
  • Hirslanden umfasst 16 Kliniken in neun Kantonen. Weiter betreibt Hirslanden 5 ambulante Operationszentren, 19 Radiologie- und 6 Radiotherapieinstitute. Die Gruppe hat rund 11'000 Angestellte in der Schweiz und zählt über 2'500 Beleg- und Partnerärzte.
Mit anderen Worten: Ein Genfer IHL-Team soll für die Schweizer Hirslanden-Kliniken zuständig sein, ein Remgro-Team in Stellenbosch wird die südafrikanischen Mediclinic-Häuser leiten. Ob die Pläne eine Verschiebung der Hirslanden-Zentrale vom Glattpark Zürich nach Genf bedingen, muss die Zukunft weisen.
Die Absichtserklärung besagt, dass die Verträge für die Auftrennung von Mediclinic im ersten Quartal 2026 unterzeichnet werden sollen. Die definitiven Übergaben sollen bis Ende des nächsten Jahres erfolgt sein.

MSC: Mediterranean Shipping Company

Die Mediterranean Shipping Company (MSC) ist die grösste Containerschiff-Reederei der Welt: Sie betreibt rund 900 Containerschiffe. Weitherum bekannt ist der Konzern auch durch seine Kreuzfahrt-Reederei MSC Cruises.
Zudem führt der Konzern Hafen- und Inlandterminals sowie Transport-Firmen im Strassen-, Bahn- und Luftfracht-Bereich. Insgesamt beschäftigt MSC über 100’000 Personen.
Das Unternehmen entstand 1970 in Neapel, gegründet vom italienischen Kapitän Gianluigi Aponte. Es verlegte 1978 den Sitz nach Genf und befindet sich immer noch im Besitz der (sehr diskreten) Familie Aponte.
Deren Vermögen wird vom Wirtschaftmagazin «Bilanz» auf rund 25 Milliarden Franken geschätzt. Damit gehören die Apontes zu den fünf reichsten Familien der Schweiz. Johann Rupert auf der anderen Seite soll etwa 12,5 Milliarden Franken schwer sein.

Fortsetzung: Was will MSC mit Hirslanden?

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