Im Berner Grossen Rat wächst der Unmut über die Informationspolitik der Regierung zur Einführung des Klinikinformationssystems Epic. Nachdem der Regierungsrat einen ersten überparteilichen Vorstoss «nur unvollständig und oft ausweichend» beantwortet habe, wie GLP-Grossrat Casimir von Arx betont, verlangen Parlamentarier nun eine parlamentarische Untersuchung.
Die entsprechende Motion wurde überparteilich und als dringlich eingereicht; sie soll bereits in der Frühlingssession behandelt werden.
Im Zentrum steht die Kostenfrage: Offiziell lagen die Einführungskosten zunächst bei 83 Millionen Franken, später war in einer Interpellation von rund 100 Millionen die Rede – ohne den internen Personalaufwand.
Für Casimir von Arx ist klar, dass die bisherigen Angaben nicht ausreichen. «Es sind bereits unerwähnte Millionenkosten zum Vorschein gekommen. Ob noch mehr kommt, wird die Untersuchung zeigen», sagte er gegenüber dem «Bärner Bär».
Unkritische Haltung
Von Arx kritisiert, dass der Regierungsrat die Fragen der ersten Interpellation «nur unvollständig und oft ausweichend» beantwortet habe. Die Regierung nehme gegenüber Epic eine «völlig unkritische Haltung» ein. Das wecke den Eindruck, sie habe sich nicht mit der notwendigen Tiefe mit dem System befasst und sich womöglich früh auf Epic festgelegt.
Damit sei Transparenz nötig: Die Motion verlangt, dass die Geschäftsprüfungskommission (GPK) die Einführung detailliert untersucht und bei Bedarf die Finanzkontrolle beizieht. Diese könnte auch Einsicht in Verträge mit Epic verlangen.
Schweizweite Diskussion
Die Debatte rund um Epic betrifft längst nicht nur den Kanton Bern. Auch im Kanton Zürich sorgt die Entscheidung
des Universitätsspitals Zürich (USZ) für Epic für Kritik. 77 Kantonsräte reichten eine Interpellation ein und stellten Fragen zu Datenschutz, Risiken, Kostensicherheit und Erfahrungen aus Bern. Sie verwiesen dabei explizit auf angebliche Budgetüberschreitungen beim Inselspital.
Doch Insel-Verwaltungsratspräsident Bernhard Pulver widersprach öffentlich: Die Einführung sei «zeitgerecht, ohne relevante Pannen» erfolgt, und es habe keine Kostenüberschreitungen gegeben. Hinter den Gerüchten vermutet er konkurrierende Anbieter – zumal der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg auf eine kantonsweite Vereinheitlichung mit Epic drängt.
Epic setzt sich schweizweit durch
Epic ist längst eines der meistdiskutierten, aber auch weit verbreiteten Klinikinformationssysteme der Schweiz:
Befürworter von Epic betonen die Vereinheitlichung und Effizienzgewinne. Kritiker warnen vor hohen Kosten, fehlender Transparenz – und vor einer möglichen Abhängigkeit von einem US-Anbieter.
Wie geht es in Bern weiter?
Ob es bei den bisher bekannten Kosten bleibt, soll nun die GPK klären. Für die Initianten steht fest: Erst wenn alle versteckten Posten und Risiken offengelegt sind, kann der Kanton Bern verantwortungsvoll entscheiden, ob Epic tatsächlich in allen Spitälern eingeführt werden soll.