Kritik an Berns digitaler Gesundheitsplattform

Der Kanton Bern will die Klinikinformationssysteme der Spitäler vereinheitlichen und bevorzugt US-Hersteller Epic. Nun stellt ein schweizweiter Verband das Vorhaben infrage.

, 17. Oktober 2025 um 17:04
image
Bild: zvg
Der Regierungsrat des Kantons Bern hat im Juni einen Entwurf zur «Digitalen Gesundheitsplattform» in die Vernehmlassung geschickt. Mit diesem Projekt sollen die Klinikinformationssysteme (KIS) für die Spitäler im Kanton Bern vereinheitlicht werden. Bevorzugt wurde das System des US-Herstellers Epic, welches bereits bei der Insel Gruppe zum Einsatz kommt. Auch das Spital Emmental beteiligte sich an einem Pilotprojekt.

Monopolstellung befürchtet

Nun äussert sich der Schweizerische Verband Digitale Gesundheit (SVDG) in einer Mitteilung dazu kritisch. Er warnt vor einem Lock-in-Effekt durch den Anbieter, der durch die Gesetzesvorlage Monopolstellung erlangen würde.
Ein zusätzliches finanzielles Risiko seien die unbestimmten initialen Kosten bei der Migration auf das neue System. Bedenken teilt der Verband zum Datenschutz und Souveränität: Unter dem Cloud Act könnten Patientendaten dem Zugriff von US-Behörden ausgesetzt sein. Darüber hinaus schwäche dieses Projekt die Autonomie der Spitäler sowie nationale Programme wie das elektronische Patientendossier (EPD) und DigiSanté. Im Wesentlichen stehe das Projekt nicht in einem transparenten und fairen Rahmen.
Der SVDG fordert den Kanton auf, verbindliche, offene Standards für Datenformate und Schnittstellen festzulegen. So bleibe die Autonomie der Spitäler erhalten. SVDG-Präsident Jürg Lindenmann äussert sich folgendermassen: «Echte Innovation entsteht, wo man bei Standards kooperiert, aber bei Produkten konkurriert. Der 'Berner Weg' bietet die Chance, nicht nur einen unkalkulierbaren Fehler zu vermeiden, sondern den Kanton Bern als Vorreiter für eine moderne, bürgernahe und souveräne digitale Gesundheitsversorgung zu positionieren.»
Mehr zum Thema:



  • EPIC
  • Insel Gruppe
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Auch die Waadtländer Spitäler setzen auf Epic

Es war kaum anders zu erwarten: Das Universitätsspital Lausanne und elf regionale Kliniken übernehmen das amerikanische Klinikinformationssystem Epic.

image

Insel Gruppe: Der Führungswechsel ist vollzogen

Die Insel Gruppe hat einen neuen Verwaltungsratspräsidenten: Adrian Schmitter übernimmt das Amt von Bernhard Pulver. Im Interview mit der «Berner Zeitung» zieht der scheidende Präsident Bilanz.

image

KIS: Das Freiburger Spital entscheidet sich für Schweizer System

Die Kantonsspitalgruppe HFR und das Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit hatten eine Ausschreibung für ein neues Klinik-Informationssystem durchgeführt. Das Angebot der Firma Cistec erhielt den Zuschlag – eine Premiere in der Westschweiz.

image

Thun, Interlaken, Bern: Gemeinsame Gefässchirurgie für das Berner Oberland

«Gefässchirurgie Berner Oberland»: Ab nächster Woche kooperieren die Spitalgruppen STS, Fmi und Insel in der operativen Gefässmedizin.

image

Internationale Auszeichnung für Berner Kardiologen

Stephan Windecker vom Inselspital hat in San Francisco den TCT Career Achievement Award erhalten – einen der anerkanntesten Preise in der interventionellen Kardiologie.

image

Insel-CMIO vertritt Europa im internationalen Epic Gremium

Michael Stickel, Chief Medical Information Officer der Insel Gruppe, wird künftig im Epic Care Everywhere Council vertreten sein - als einer von zwei europäischen Mitgliedern.

Vom gleichen Autor

image

«Volumen schafft Routine, aber nur bei entsprechender Qualitätskultur»

Die Revisionsraten nach Knie- oder Hüftgelenksersatz schwanken stark. Stefan Eggli erklärt im Interview, wie Spezialisierung, stabile OP-Teams und hohe Fallzahlen an der Orthopädie Sonnenhof die Qualität steigern.

image

VITREA leistet Pionierarbeit für Menschen mit Rückenmarkverletzung in Europa

Die VITREA Gruppe, einer der führenden europäischen Anbieter für Rehabilitation, führt als erste Rehagruppe in Europa die ARC-EX-Therapie von ONWARD Medical ein.

image

Tod bei Leistenbruch-OP: Freispruch für Luzerner Ärzte

Nach dem Tod eines drei Monate alten Babys bei einer Leistenbruch-Operation hat das Luzerner Kriminalgericht die beteiligten Mediziner freigesprochen. Der Fall ist damit nicht abgeschlossen.