Das Spital Oberengadin steht vor dem finanziellen Aus: Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Oberengadiner Gemeinden Silvaplana, Zuoz und Madulain haben am Dienstagabend den Kredit für eine neue Leistungsvereinbarung abgelehnt. Für das Zustandekommen wäre ein Ja aus allen elf Standortgemeinden nötig gewesen.
Gemäss der
«Engadiner Post» sagten in Silvaplana 74 Stimmberechtigte Nein und 46 Ja zum Spital Oberengadin. In Zuoz stimmten 130 Personen dagegen und 33 dafür. In Madulain fiel das Resultat mit 27 Nein- zu 16 Ja-Stimmen ebenfalls negativ aus.
Mehrere Gemeinden stimmten hingegen zu – teils nur konsultativ: Celerina sagte mit 163 Ja- zu 40 Nein-Stimmen deutlich Ja, ebenso Samedan (155 Ja, 51 Nein) , S-chanf (29 Ja, 18 Nein, 2 Enthaltungen), Sils (54 Ja, 43 Nein) und Bever (76 Ja, 43 Nein, 1 Enthaltung). Auch Pontresina (52 Ja, 42 Nein, 3 Enthaltungen) und La Punt (65 Ja, 36 Nein, 2 ungültig) unterstützten die Vorlage. In St. Moritz hingegen empfiehlt der Gemeinderat für die Urnenabstimmung vom 14. Dezember ein Nein.
Ohne die neue Leistungsvereinbarung dürfte die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO), welche das Spital betreibt, im kommenden Frühling zahlungsunfähig werden. In der Folge droht dem Regionalspital die Schliessung.
Die aktuelle Leistungsvereinbarung mit den Gemeinden läuft Ende 2025 aus. Der vorgesehene Überbrückungskredit von rund 51 Millionen Franken hätte den Spitalbetrieb langfristig sichern sollen. Die SGO wird nun eine Nachlassstundung beantragen.
Geordnete Schliessung
Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, hat die SGO bereits Ende Oktober einen
Sanierungsplan vorgelegt. Im Falle einer Ablehnung der Vorlage sieht dieser eine geordnete Schliessung des Spitals vor: Teile des Leistungsangebots würden von der Klinik Gut AG mit Unterstützung des Kantonsspitals Graubünden übernommen, Alterszentren, Spitex und Beratungsstellen in eine neue Betriebsorganisation überführt. Die Weiterführung der Geburtshilfe müsste gesondert abgestimmt werden, während Spital- und Personalhäuser in die Nachlass- bzw. Konkursmasse fallen würden.
Hugo Keune, CEO des KSGR, betonte, dass das Zentrumsspital auch bei einem Nein die Gesundheitsversorgung der Region sicherstellen werde. Silvan Breitenmoser, CEO der Klinik Gut, nannte mögliche Modelle: So könnte die stationäre Versorgung inklusive Notfall an einem Standort gebündelt werden, während ein zweiter Standort ambulante Leistungen wie Permanence anbieten könnte, erbracht von der Klinik Gut, dem KSGR und Hausärzten.
«Nicht automatisch das Aus»
Die FDP und SVP Oberengadin hatten sich gegen die SGO-Vorlage ausgesprochen, unter anderem mit der Begründung, dass ein Nein notwendig sei, um Veränderungen in der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen und zukünftige Strukturen zu überdenken. Ein Nein bedeute nicht automatisch das Aus für das Spital, sondern der Stiftung Handlungsspielräume für einen strukturellen Neustart eröffnet.
Das Spital Oberengadin bereitet seine Schliessung vor – für den Fall, dass seine Trägergemeinden die befristete Übergangsfinanzierung ablehnen. Ersatzweise würden KSGR und Klinik Gut einspringen.