Bundesrat bewilligt Tardoc und Pauschalen - Chirurgen sind «bestürzt»

Der Bundesrat will das neuen Tarifsystem mit einigen Änderungen im Januar einführen. Die FMCH prangert die Pauschalen erneut als teilweise gesetzeswidrig an.

, 5. November 2025 um 13:20
image
Chirurginnen und Chirurgen befürchten, dass die neuen ambulanten Pauschalen mehrfache Narkosen bei Kindern fördern könnte - hier eine Operation mit intraoperativem MRI am Kinderspital Zürich. | Kinderspital Zürich
Der Bundesrat hat bereits vor dem Inkrafttreten mehrere Korrekturen am neuen Gesamt-Tarifsystem genehmigt. Diese Änderungen betreffen unter anderem den Umfang der Leistungen, die bei einem Spitalnotfall verrechnet werden können, die Wundbehandlung, pathologische Leistungen und Kombinationstherapien bei der Behandlung von Tumoren.
In seiner Mitteilung lobt der Bundesrat, «dass sich die Tarifpartner bereits vor Inkrafttreten der Gesamt-Tarifstruktur auf deren Verbesserung einigen konnten».

Chirurgen sind «bestürzt»

Harsch reagiert aber die Dachgesellschaft der invasiv tätigen Ärzte, die FMCH (Foederatio Medicorum Chirurgicorum Helvetica): Sie sei «bestürzt über die heutige Entscheidung des Bundesrates, die Einführung der ambulanten Pauschalen trotz teilweiser Gesetzeswidrigkeit zu genehmigen».
Als gesetzeswidrig bezeichnet die FMCH mehrere Pauschalen, weil die erforderlichen Leistungen zu niedrig oder zu hoch vergütet würden. Das bedeute, dass ambulante ärztliche Leistungen von Spitälern übernommen werden müssten, obwohl die Wartezeiten länger und die Kosten höher seien als im ambulanten Bereich.
Es entstünden gefährliche Fehlanreize und Risiken für die Behandlungsqualität. Die Dachgesellschaft nennt als Beispiel die Anästhesie: Kinder, die für eine Magnetresonanztomografie (MRT) eine Narkose benötigten, müssten künftig mehrfach narkotisiert werden, da MRT und Operation nicht mehr am gleichen Tag separat abgerechnet werden dürften. Eine separate Abrechnung an mehreren Tagen sei hingegen erlaubt.

FMCH droht mit rechtlichen Schritten ...

Die FMCH kündigte an, alle Fachgesellschaften dabei zu unterstützen, juristisch gegen unsachgerechte ambulante Pauschalen vorzugehen und die rechtliche Prüfung der betroffenen Tarife beim Bundesverwaltungsgericht einzuleiten.

... aber FMH ist zufrieden

Begrüsst wird der Bundesratsentscheid hingegen von der Ärztegesellschaft FMH. Die gezielten Anpassungen seien im Rahmen einer konstruktiven Zusammenarbeit erarbeitet worden. Dank der Genehmigung dieser dringenden Korrekturen könne der Tardoc und die Ambulanten Pauschalen unter besseren Bedingungen eingeführt werden.
Anfang Jahr haben die FMCH und 29 ärztliche Organisationen eine Nachbesserung beim Tarifsystem verlangt:
  • Pauschalen: Spezialisten und Chirurgen setzen Druck auf
Bereits im Juli drohte die FMCH mit rechtlichen Schritten, weil von den vielen Änderungsanträgen nur die pathologischen Analysen berücksichtigt worden seien:
Mitverantwortlich für die Ausarbeitung des Gesamt-Tarifsystems ist die Organisation ambulante Arzttarife (OAAT). Sie arbeitet bereits an der nächsten Änderung des Tardocs, welche 2027 erfolgt. Verwaltungsratspräsident Pierre Alain Schnegg sagte laut einer Mitteilung der OAAT: «Wir werden die neuen Tarife laufend nachjustieren müssen. Was vor 20 Jahren galt, lässt sich nicht auf die heutige Situation übertragen. Eine relative Stabilität des neuen Systems erreichen wir voraussichtlich in drei bis vier Jahren, wenn genügend Daten für Direktvergleiche zur Verfügung stehen.»
  • politik
  • tardoc
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

TARDOC kommt: Was Spitäler jetzt wissen müssen

TARDOC bringt eine Vielzahl an Verbesserungen mit sich – vorausgesetzt, die Spitäler sind technologisch vorbereitet. Meierhofer zeigt, was jetzt zählt – und ist mit seinem M-KIS bereit für den Start.

image

Waadt: Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz tritt zurück

Die Vorsteherin des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Waadt hört nächstes Frühjahr auf – aus gesundheitlichen Gründen und mangels Rückhalt in der Partei.

image

Das sind die ersten 4 von 16 geplanten Kostendämpfern fürs Gesundheitswesen

Apotheken und Hebammen sollen mehr Kompetenzen erhalten. Ausserdem müssen die Kantone faire Referenztarife für ausserkantonale Behandlungen festlegen.

image

Nun lässt der Bund das Kostenwachstum bei den Krankenkassen-Leistungen überwachen

In einem Monat beginnt die Kommission für das Kosten- und Qualitätsmonitoring EKKQ, die Preisentwicklung im Gesundheitswesen zu beobachten.

image

Beschwerde gegen das SIWF: Der medizinische Nachwuchs verliert die Geduld

Eine Gruppe von Nachwuchsmedizinern geht vor das Bundesverwaltungsgericht: wegen «ungerechtfertigter Verzögerung» bei der Vergabe von Facharzttiteln.

image

Für Apotheken wird der Verkauf von Medikamenten der Kategorie B einfacher

Die Apotheken sollen nicht unter der Umteilung der Arzneimittel-Kategorien leiden. Der Bundesrat erleichtert ihnen deshalb die obligatorische Dokumentation.

Vom gleichen Autor

image

Zwei neue Leitende Ärztinnen im Spital Nidwalden

Rebecca Berz und Lara Bersuch heissen die beiden neuen Führungsfrauen am Spital Nidwalden.

image

Zürcher Unispital entlässt Klinikdirektor fristlos

Der Direktor der Klinik für Klinische Pharmakologie und Toxikologie am USZ ist fristlos entlassen worden. Begründung: mutmassliche Vermögensdelikte.

image

«Pharma für alle»: Basel soll einen Geldtopf für Medikamente kriegen

In Basel wurde eine Initiative eingereicht, die einen «Pharma-Fonds» verlangt. Daraus würden Projekte finanziert, welche die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln verbessern.