Klinik Arlesheim: Weitere Kantonsgelder für «Hospital at Home»

Und auch an zwei Hirslanden Kliniken, am Spital Zollikerberg und in Einsiedeln nimmt das Modell Fahrt auf.

, 31. Oktober 2024 um 09:19
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Stationäre Behandlung in den eigenen vier Wänden - das verspricht Hospital at Home, hier «Visit» vom Spital Zollikerberg. Bild: zvg
Basel-Landschaft ist der erste Kanton, der das Pilotprojekt «Hospital at Home» finanziell unterstützt. Im Juni 2023 sicherte der Regierungsrat der Klinik Arlesheim einen einmaligen Beitrag von 500'000 Franken zu. Nun bewilligte er eine weitere halbe Million Franken.
Denn, das Angebot stösst auf reges Interesse: Seit dem Projektstart Anfang 2023 wurden 290 Patienten zu Hause behandelt – «mehr als ursprünglich erwartet», wie Klinikleiter Lukas Schöb gegenüber dem «Arlesheimer Wochenblatt» sagt.
Das Konzept «Hospital at Home» ermöglicht die medizinische Akutversorgung zu Hause und soll langfristig eine kosteneffiziente und patientenfreundliche Alternative zum klassischen Spitalaufenthalt bieten.

Kanton Zürich zieht nach

In Ländern wie Norwegen, Japan, Singapur und Australien ist dieses Modell bereits etabliert, in der Schweiz steckt es noch in den Kinderschuhen. Doch es tut sich etwas: So unterstützt der Kanton Zürich seit vergangenem Mai das Behandlungskonzept der Hospital at Home AG finanziell: Für die Jahre 2024 bis 2026 richtet er pro Patient einen Subventionsbeitrag aus, der dem Kantonsbeitrag an die stationäre Spitalversorgung entspricht.
Die Hospital at Home AG kooperiert bislang mit der Klinik Hirslanden und der Klinik im Park in Zürich. Weitere Pilotprojekte laufen im Spital Zollikerberg mit «Visit – Spital Zollikerberg Zuhause» sowie in der Region Einsiedeln mit dem Projekt «Visit and Care» des Unternehmens We4you.
Ende 2023 wurde zudem der Dachverband «Swiss Hospital at Home Society» gegründet, um dieses Versorgungsmodell in der Schweiz weiter zu etablieren und die politischen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Abrechnungsfragen

Hierzulande wird die Umsetzung derzeit vor allem durch Abrechnungsfragen erschwert: Bekanntlich tragen die Kantone derzeit 55 Prozent der stationären Kosten, während die restlichen 45 Prozent von den Krankenversicherungen übernommen werden. Ambulante Leistungen hingegen werden vollständig von den Versicherern bezahlt.
Unklar bleibt also, wie die Abrechnung gehandhabt werden soll, wenn ein Patient stationär aufgenommen wird, die Behandlung aber zu Hause erfolgt.
Spitalgruppe errichtet virtuelle Stationen für Pflegeheime: Statt auf die Station zurück in die Pflegeeinrichtung. In Deutschland will die Asklepios-Gruppe einen Teil der Akutversorgung per Telemedizin in die Heime verlagern.
Die Vorteile der heimischen Spitalbetreuung liegen auf der Hand: Patienten genesen zu Hause besser, sie haben weniger Komplikationen wie Verwirrungszustände oder Infektionen mit Spitalkeimen und sie halten die Spitalbetten für schwerere Fälle frei.
Erste Ergebnisse des Pilotprojekts «Visit – Spital Zollikerberg Zuhause» zeigen denn auch, dass das Konzept gut funktioniert. Was mögliche Kosteneinsparungen anbelangt, bleibt vieles Spekulation, Daten gibt es in der Schweiz dazu bislang noch keine.
International gibt es hoffnungsvolle Ansätze: So zeigte eine Studie in «Nature Medicine» 2022, dass Kosteneinsparungen von bis zu 40 Prozent durch den geringeren Infrastrukturaufwand und kürzere Behandlungszeiten möglich sind.
Der Gesundheitsökonom Stefan Boes von der Universität Luzern sieht diese Zahl allerdings kritisch. Gegenüber dem «Tagesanzeiger» sagte er: «Nur ein Teil der Patientinnen und Patienten können überhaupt im Hospital at Home behandelt werden. Ausserdem werden in Zukunft viel mehr Behandlungen im Spital ambulant statt stationär durchgeführt, was die Kosten deutlich senken wird».
In Arlesheim ist man zuversichtlich: Bei bereits 90 auf diese Weise behandelten Patienten hätten sich in der Evaluation Hinweise gezeigt, dass die Gesamtkosten günstiger ausfielen, weil diese nach der Behandlung keine Rehabilitation oder Verlegung ins Alters- und Pflegeheim brauchten.

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