Einsiedeln kritisiert Spital-Angestellte: «Feig» und «dumm»

Die Einsiedler Behörden sorgen sich dermassen um ihr Spital, dass sie bestimmte Angestellte mit geharnischten Worten in den Senkel stellen.

, 29. November 2023 um 10:39
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Blick von der Schanze in Einsiedeln: Die Behörden fürchten sich vor einer ungebremsten Talfahrt des Spitals. Deshalb haben sie die anonymen Informanten massiv gerügt. | Skisprungschanzen-Archiv
So deutlich hat wohl noch keine Behörde die unzufriedenen Angestellten ihres Spitals gemassregelt: «Ihr Vorgehen ist feige und neuestens bedienen sie noch die Boulevard-Medien», schreibt der Einsiedler Landschreiber Patrick Schönbächler in einer Mitteilung der Bezirkskanzlei.
Damit gemeint ist die «anonyme Gruppe Mitarbeitende» des Ameos-Spitals, die «leider in steter Regelmässigkeit für Unruhe» sorge.
Diese Angestellten würden «rufschädigend» und «dumm» handeln. Ausserdem verdächtigt die Behörde die unzufriedenen Mitarbeitenden, die gekündet haben, dass sie «den anonymen Feldzug auch noch für eigene Interessen» nutzen würden.

Angst um Arbeitsplätze

Die Behörden nennen auch den Grund, warum sie plötzlich so heftig auf die Querelen am Spital reagieren: Es geht um 350 Arbeitsplätze – und auch um die Zusammenarbeit mit der Ameos-Gruppe, die 2020 das in Schwierigkeiten steckende öffentliche Spital übernommen hatte. Bei einem Konkurs hätte Einsiedeln viel Geld verloren.
Der Bezirksrat erinnert die Bevölkerung daran, dass es das Regionalspital Einsiedeln ohne die Ameos-Gruppe heute nicht mehr gäbe. Und er stärkt den Betreibern klar den Rücken: «Der Bezirksrat schätzt das Engagement von Ameos in Einsiedeln.»

«Kein Anlass zu Interventionen»

Einsiedeln sah dieses Engagement bisher ungefährdet, hatten doch gerade jüngst die Stiftung Krankenhaus Maria zum finstern Wald und die Ameos-Gruppe beschlossen, den Spitalbetrieb unbefristet weiterzuführen.
«Die Beziehungen zwischen Stiftung und Ameos-Gruppe wie auch zum Bezirk funktionieren und sind gut», betonen die Einsiedler nach wie vor. «Es gab bislang keinen Anlass zu Interventionen.»

Kanton intervenierte sehr wohl

Das sah allerdings der Kanton anders. Die Schwyzer Behörden haben das Spital vor einem Jahr überprüft und zu Besserungen verpflichtet.
Immerhin räumt Einsiedeln nun auch gewisse Mängel ein: Die temporäre Schliessung der Geburtsabteilung aufgrund eines Mangels an Fachkräften sei zwar nicht gut, in der Begründung jedoch nachvollziehbar und hoffentlich nicht von Dauer.

Gröbere Missstände?

Doch das war offenbar nicht alles. In einem Artikel des «Blick» wurden weitere Missstände angeprangert: Mehrere ehemalige und aktuelle Mitarbeitende des Spitals erhoben schwere Vorwürfe. Die Personalfluktuation am Spital sei dermassen hoch, dass sie bezweifeln, ob die Patientensicherheit noch gewährleistet ist. Die Spitalbetreiberin Ameos wehrte sich und wies sämtliche Vorwürfe zurück.

Die Vorwürfe im Originalton

«Eine anonyme "Gruppe Mitarbeitende" des Ameos-Spitals sorgt nun leider in steter Regelmässigkeit für Unruhe. Zu diesen kommen ausgetretene Mitarbeitende hinzu. Ihr Vorgehen ist feige und neuestens bedienen sie noch die Boulevard-Medien. Der "Gruppe" scheint nicht bewusst, dass sie mit ihren Äusserungen und ihrem Vorgehen nicht nur rufschädigend agiert, sondern auch dumm. Sie gefährdet damit 350 Arbeitsplätze und Lehrstellen ihrer Kolleginnen und Kollegen und sägt gleichzeitig noch auf dem Ast, auf dem sie selbst sitzt. Oder nutzen abgesprungene Mitarbeitende den anonymen Feldzug auch noch für eigene Interessen? Beides ist klar und deutlich zu verurteilen. Betriebsbezogene Kritik soll konstruktiv und intern erfolgen.»

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