Koordinierte Versorgung: Netzwerke sind vom Tisch

Der Ständerat beriet über das Massnahmenpaket zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Er plädierte nun ebenfalls für Mengenrabatte bei umsatzstarken Medikamenten.

, 4. März 2025 um 14:23
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Bild: Teo Zac / Unsplash
Der Bundesrat hatte vor, einen neuen Leistungserbringer zu schaffen, der via Grundversicherung abrechnen kann: Die «Netzwerke zur koordinierten Versorgung». Danach könnten sich die heutigen Leistungserbringer in einem neuen Format «koordinierte Versorgung» organisieren – überwacht von den Kantonen. Auch der Ständerat sympathisierte in einer ersten Stellungnahme mit der Idee.
Dadurch sollten insbesondere Therapien für chronisch Kranke effizienter gemanagt werden; der Bundesrat bezifferte das Sparpotential mit 250 Millionen Franken. Die Gegner der Idee witterten vor allem ein weiteres Bürokratiemonster.
Diese Gegner setzten sich nun durch. Denn nachdem der Nationalrat dagegen votiert hatte, gab der Ständerat bei der Differenzbereinigung am Dienstag klein bei und verzichtete auf die Massnahme.
Gesundheitskommissions-Sprecher Erich Ettlin (Mitte) hatte sich zwar grundsätzlich positiv geäussert. Die Ablehnung im Nationalrat sei aber derart deutlich gewesen, dass man das Ziel einer koordinierte(ren) Versorgung in einem anderen Rahmen weiterverfolgen sollte.
Auch Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider äusserte zwar Bedauern, verzichtete aber darauf, die Idee der Netzwerken weiter zu verfolgen.
Insgesamt bestanden an diesem Debattentag noch diverse Differenzen beim Paket zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Bei der Frage von Mengenrabatten für umsatzstarke Medikamente schloss sich die Kleine Kammer dem Nationalrat an – und sprach sich dafür aus.
René Buholzer, der CEO des Branchenverbands Interpharma, zeigte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht: «Das aktuelle Kostendämpfungspaket 2 ist die sechste Vorlage zur Kostensenkung innerhalb von nur vier Jahren, ohne die drängenden Probleme bei Zugang und Versorgung der Patientinnen und Patienten anzugehen. Schon heute ist es ratsamer, in Konstanz anstatt in Kreuzlingen zu wohnen, weil für eine Patientin oder einen Patienten in der Schweiz rund die Hälfte der neuen innovativen Arzneimittel nicht verfügbar sind.»
Die nun geplanten Mengenrabatte auf Medikamente seien für den Pharmastandort Schweiz problematisch und gefährdeten die Versorgung.
Andererseits sprach sich eine Mehrheit des Ständerates für eine «vorläufige Vergütung ab Tag 0» bei neu zugelassenen Arzneimitteln aus. Das heisst: Ein wesentlicher Teil jener innovativen Medikamente, die ein beschleunigtes Verfahren bei Swissmedic durchlaufen, sollen den Patientinnen und Patienten ab dem Tag der Zulassung zur Verfügung stehen. Und nicht erst nach der Aufnahme in die Spezialitätenliste.
Mehr / Quelle: parl.ch

  • Die Wartezeit bis zur Aufnahme neuer Mittel in die Spezialitätenliste wächst. Das BAG und die Pharmaindustrie schieben sich gegenseitig den Ball zu.

  • politik
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