In Zug kündigen Ärzte nach Freistellung ihres Chefarztes

Weil das Zuger Kantonsspital einem Chefarzt überraschend gekündigt hat, sind sieben weitere Ärztinnen und Ärzte gegangen.

, 22. Mai 2024 um 13:28
image
Das Zuger Kantonsspital in Baar. | PD
Die Freistellung des Chefarztes Severin Urech am Zuger Kantonsspital hat offenbar weitere Folgen. Sieben ehemalige Mitarbeitende Urechs haben inzwischen ebenfalls gekündigt, wie die «Zuger Zeitung» meldet.
Severin Urech hatte offenbar einen starken Rückhalt im Team und war beliebt. Dass der damalige Chefarzt des Instituts für Anästhesie und Intensivmedizin im Sommer 2023 überraschend freigestellt wurde, hat dazu geführt, dass einige Mitarbeitende das Vertrauen verloren und das Spital verlassen haben.
Sie seien mit dem Führungsstil der Direktion unzufrieden und werfen der Spitalleitung mangelnde Transparenz vor, so der Beitrag. Die «Zuger Zeitung» beruft sich dabei auf mehrere ehemalige Angestellte, die übereinstimmend von sieben Kündigungen sprechen.
Die Spitalführung erachtet die Abgänge als bedauerlich. Es sei aber nicht zu vermeiden, dass nach dem Weggang einer Führungsperson auch weitere Mitarbeitende deswegen kündigen.

Wegen Schweigen hat Vertrauen gelitten

Die Gründe für die damalige Freistellung Urechs sind unbekannt. Die Spitalleitung will sich zum Schutz des Persönlichkeitsrechts auch heute nicht dazu äussern.
Daniel Staffelbach, Verwaltungsratspräsident des Zuger Kantonsspitals, vermutet, dass durch diese Zurückhaltung das Vertrauen gelitten habe. Er setze alles daran, dieses verlorene Vertrauen «vollumfänglich zurückzugewinnen». Seit letztem Juli ist Julia Peyer zwischenzeitlich als Chefärztin des Instituts tätig.
  • spital
  • zuger kantonsspital
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Interprofessionelle Visiten auf dem Prüfstand

Die Visiten werden geschätzt, aber nicht alle Beteiligten sind gleich zufrieden. Vor allem die Pflege bemängelt ihre Einbindung und sichtet Verbesserungs-Chancen. Dies zeigt eine Umfrage in Schweizer Spitälern.

image

Sparprogramme reichen nicht: Das Spitaljahr im Check

Kooperationen, weniger Angebote, effizientere Abläufe, Schliessungen, Nullrunden bei den Löhnen: Die öffentlichen Akutspitäler haben viel getan, um die Finanznot zu bekämpfen. Fazit: So geht es trotzdem nicht weiter.

image

Spitäler 2025 und 2026: Bessere Margen – aber grosse Tarif-Fragezeichen

Die Finanzchefs der Schweizer Spitäler erwarten fürs Erste eine etwas bessere Rentabilität. Zugleich sorgt das neue Tarifsystem für Unsicherheit. Die Erwartungen reichen von Mehreinnahmen bis zu spürbaren Einbussen.

image

Spitalhygiene: Geschlechtsneutrale WCs bergen ein Risiko

In schottischen Krankenhäusern wurden Damen-, Herren- und Unisex-Toiletten auf Keime geprüft. Heraus kamen drastische Unterschiede.

image

Eine Zusammenarbeit, vernetzt wie das Gefässsystem

Wie in den meisten anderen medizinischen Fachbereichen setzt das Spital Lachen auch in seinem Gefässzentrum auf eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Sie garantiert den Patientinnen und Patienten eine professionelle und ganzheitliche Diagnostik, Behandlung und Nachbehandlung.

image

Zuger Kantonsspital schreibt erstmals seit 2008 rote Zahlen

Trotz stabiler Patientenzahlen und höherem Umsatz gab es 2024 einen Millionenverlust. Eine Erklärung dafür: Investitionen ins Personal – respektive in die Attraktivität als Arbeitgeberin.

Vom gleichen Autor

image

Freiburger Spital eröffnet Abteilung für Gewaltmedizin

Freiburg hat eine Anlaufstelle für Gewaltopfer: Das Spital bietet ihnen eine klinische Untersuchung mit Dokumentation der Verletzungen nach forensischen Standards.

image

Hirslanden und Sanitas bieten Zusatzversicherten Komplementärmedizin im Spital

Die Klinik Hirslanden in Zürich arbeitet mit der Sanitas-Krankenkasse zusammen: Patienten mit Zusatzversicherung erhalten integrativ-medizinische Behandlungen.

image

«Extrem unüblich»: Zweifel an der Sorgfalt eines Proktologen

Massive Komplikationen und der Verdacht auf Überarztung: Die SRF-Sendung «Kassensturz» nahm einen inzwischen verstorbenen Zürcher Enddarm-Spezialisten ins Visier.