Ein Insel-Direktor schlägt vor: Epic statt EPD

Martin Fiedler, ärztlicher Direktor des Berner Inselspitals, ist überzeugt: Würden sich alle Spitäler und Praxen an Epic beteiligen, wäre das EPD überflüssig.

, 11. Dezember 2024 um 08:09
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Die Spitäler beschaffen neue Klinikinformations-Systeme - aber nicht alle das gleiche. | Adobe Stock
«Falls sich alle Spitäler und Arztpraxen an Epic beteiligen würden, könnte dies das klassische elektronische Patientendossier (EPD) überflüssig machen»: Das sagte Martin Fiedler, ärztlicher Direktor des Berner Universitätsspitals Insel, gegenüber der Online-Zeitung «Infosperber».
Mehr noch: Eine Zusammenarbeit könnte «den Weg für eine visionäre Plattform ebnen, die Patientenversorgung, Forschung und Innovation in einem vollständig vernetzten digitalen Gesundheitsraum vereint».
Fiedler macht diese Aussage zu einem Zeitpunkt, wo sowohl um das EPD als auch um Epic heftig gestritten wird.

EPD kommt nicht vorwärts

Das EPD kommt auch 15 Jahre nach dem Beschluss zu dessen Einführung nicht vom Fleck. Vor sieben Jahren erliess der Bundesrat dazu ein Gesetz – und ist es jetzt daran, es zu revidieren.
Spitäler und Ärzte beklagen, dass die Dossiers aus kaum auswertbaren Sammlungen von Dokumenten bestehen und statt Nutzen nur bürokratischen Aufwand bringen.
Trotz viel Werbung für das EPD haben sich erst wenige Leute angeschlossen. Allein das Patienten-Portal der Berner Inselspital-Gruppe habe viel mehr Nutzer. Denn dieses Portal sei bedeutend nutzerfreundlicher und umfassender als das EPD des Bundes, schreibt «Infosperber».

90 Millionen für Epic

Die Rede ist vom neuen Klinikinformations-System Epic, das die Insel Gruppe im Frühjahr eingeführt hat. Der Spitalkonzern bezahlte dafür rund 90 Millionen Franken. Kleinere Spitäler im Kanton Bern könnten sich dem Datensystem Epic ebenfalls anschliessen, ohne die teure Software selber zu kaufen.
Auch die Luzerner Kantonsspital-Gruppe LUKS hat Epic vor einiger Zeit eingeführt. Doch es herrscht nicht Einigkeit darüber, ob das System wirklich so überlegen ist.
Die Dateneingabe ist anspruchsvoll. In Luzern und in Bern musste das ganze Personal vom Laborangestellten über das Pflegepersonal bis zu den Chirurgen gründlich geschult werden.
Martin Fiedler vom Inselspital sieht trotzdem grosse Vorteile. Gegenüber «Infosperber» zählte er auf:
  • Alle Daten der Patientenbehandlung werden in einem zentralen System gebündelt und sind für alle Beteiligten jederzeit einsehbar.
  • In Epic sind sämtliche Bereiche eines Spitals vereint. Es gibt nicht verschiedene Untersysteme für Labor, Bildgebung oder Intensivstation.
  • Epic ermöglicht es, strukturierte Daten und nicht nur Dokumente einzugeben. Das ist eine Voraussetzung dafür, damit die Daten besser genutzt werden können.
Doch ein gesamtschweizerisch einheitliches Klinik-Informationssystem, welches das EPD überflüssig machen könnte, liegt in weiter Ferne.

Kispi will Epic

Zwar hat sich das Kinderspital Zürich bereits für Epic entschieden und verhandelt derzeit mit dem Anbieter.
Aber andere grosse Spitäler tun sich schwer mit dem Entscheid, ob sie das teure Epic-System aus den USA kaufen wollen oder nicht besser auf ein anderes System setzen.

USZ evaluiert

Das Universitätsspital Zürich (USZ) will sich Anfang nächstes Jahr entscheiden. Die Ausschreibung für den Auftrag hat aber eine heftige Debatte entfacht. Parlamentarier haben sich eingeschaltet und forderten, dass neben dem Angebot des US-Anbieters Epic auch jenes von Cistec, einem KMU mit Sitz in Zürich, evaluiert werde.

CHUV vor Gericht

Im Universitätsspital Lausanne (CHUV) ist die Ausschreibung derzeit sogar vor Gericht hängig. Der Genfer Softwarekonzern Kheops Technologies wirft dem CHUV vor, die Anforderungen exakt so formuliert zu haben, dass sie nur auf einen Anbieter passt: auf Epic.

Genf und Wallis machen selber

Das Genfer Universitätsspital (HUG) hat Epic schon eine Absage erteilt. Zusammen mit dem Spital Wallis arbeitet es an einem eigenen Klinik-Informationssystem, um sich von privaten Anbietern unabhängig zu machen.
Ein schweizweit gemeinsames Klinikinformations-System dürfte also schon daran scheitern, dass sich Spitäler explizit für eigene System entscheiden.
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