Es war eine Überraschung: Am 22. Mai 2024
gaben Universität Zürich und die HSG bekannt, dass die gemeinsame Masterausbildung in Medizin schon wieder abgebrochen wird – nachdem sie erst 2020 begonnen wurde. Die Kooperationsvereinbarung für den «Joint Medical Master» läuft im Juli 2026 aus; danach wird sie nicht verlängert.
Dabei hatte es zuvor mehrfach geheissen, dass der interkantonale Ausbildungsgang ein Erfolg sei. «Der Koordinationsaufwand für eine gemeinsame Ausbildung ist sehr hoch und die Gestaltungsmöglichkeiten auf beiden Seiten sind einschränkt», lautete die Begründung damals im Mai.
Was war geschehen?
In einer Antwort auf eine Parlaments-Interpellation gab die St. Galler Kantonsregierung nun einige Details bekannt. Danach war sie selber sehr kurzfristig aus Zürich informiert worden, dass die UZH aussteigen wird: «Die Verantwortlichen der HSG wurden lediglich einen Tag vor der Bekanntgabe der Medienmitteilung informiert. Ob sich die Nicht-Verlängerung hätte verhindern lassen, kann nicht abschliessend beantwortet werden.»
Man ahnt also, dass die Sache den Zürchern zu kompliziert wurde, während die St. Galler Seite die Vorteile durchaus zu schätzen wusste und weiss. Immerhin zeigten die Erfahrungen mit den ersten Abschlussjahrgängen, dass etwas mehr als die Hälfte aller frisch ausgebildeten JMM-Ärztinnen und -Ärzte in der Ostschweiz blieben.
«Potenziell interessiert»
Die St. Galler Regierung bedauert also den Übungsabbruch; und sie will auch künftig eine Masterausbildung in Medizin vor Ort anbieten. Derzeit liegt es an den entsprechenden Gremien der HSG, Lösungen zu finden. Dazu benötigt die St. Galler Uni allerdings eine Partner-Hochschule.
Denkbar wäre dabei durchaus, eine neue Kooperation mit der UZH auszuhandeln, welche den Bedürfnissen beider Seiten besser gerecht wird. Und neben einem Weiterzug mit einer anderen Hochschule gäbe es zudem die Idee, ein Medical-Master-Programm mit dem Kantonsspital St. Gallen aufzubauen. Auch dazu wäre allerdings eine Kooperation mit anderen Hochschulen erforderlich, welche Studierende aus ihren Bachelor-Programmen zuführen würden.
Bisherige Sondierungsgespräche hätten dabei die ETH Zürich «als potenziell interessierten künftigen Partner identifiziert», teilt die Kantonsregierung in St. Gallen mit.