Zürich lehnt Pflegepraktikum für angehende Ärzte definitiv ab

In Zürich müssen angehende Medizinstudierende vor Studienbeginn kein Pflegepraktikum absolvieren – der VSAO begrüsst den Entscheid.

, 2. September 2025 um 06:02
image
In Basel ist ein vierwöchiges Pflegepraktikum für Medizinstudierende obligatorischer Teil des Studiums der Humanmedizin. Bild: USB
Der Zürcher Kantonsrat hat eine Motion von Mitte, GLP, FDP und SP mit 110 zu 59 Stimmen klar abgelehnt, die ein mindestens sechsmonatiges Pflegepraktikum als Voraussetzung für das Medizinstudium einführen wollte.
Die Motionäre wollten erreichen, dass angehende Medizinstudierende bereits vor Studienbeginn direkten Kontakt mit Kranken und Sterbenden haben – und so früher praktische Erfahrungen sammeln. Zudem sollte das Praktikum nach Ansicht der Befürworter die hohe Berufsausstiegsquote senken.
Der Verband der Zürcher Assistenz- und Oberärztinnen (VSAO) reagierte auf LinkedIn «sehr erfreut» über den Entscheid. Der Verband hatte sich bereits im Vorfeld klar gegen ein obligatorisches Pflegepraktikum ausgesprochen. Statt zusätzlicher Hürden brauche es bessere Arbeitsbedingungen, um dem zunehmenden Ärztemangel zu begegnen: «Nur so können wir sicherstellen, dass die kostspielig ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte dem Beruf treu bleiben und nicht in attraktivere Branchen abwandern.»

Numerus Clausus

Die Diskussion um das Pflegepraktikum ist eng mit der Frage nach dem künftigen Zulassungsverfahren zum Medizinstudium verknüpft. Nachdem das nationale Parlament 2024 die Abschaffung des Numerus Clausus beschlossen hatte, ist offen, wie die Auswahl von Medizinstudierenden künftig gestaltet werden soll.

image

  • Keine zusätzlichen Medizin-Studienplätze trotz Ärztemangel
Trotz anhaltendem Ärztemangel erhöht der Zürcher Regierungsrat die Studienplätze für Medizin nicht
Wo es Studienplätze gibt, siedeln sich mehr Ärzte an: Das zeigen Daten aus Deutschland. Der sogenannte Klebeeffekt könnte zum Argument für Investitionen in Medizin-Fakultäten werden.

  • vsao
  • numerus clausus
  • medizinstudium
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Offener Brief Nummer 2: Junge Ärzte verlieren die Geduld

Nach einem frustrierenden Treffen zum Stau beim SIWF kritisiert der VSAO die FMH-Spitze scharf. Der Verband fordert rasche Notmassnahmen – und findet, dass sonst der Bund eingreifen muss.

image

Todesfall wirft Fragen zur Zulassung ausländischer Ärzte auf

Rund 3000 Ärzte arbeiten in der Schweiz ohne offiziell anerkanntes Diplom. VSAO-Präsident Severin Baerlocher fordert im «Tagesanzeiger», den Ärztebestand vorrangig mit hier ausgebildeten Fachkräften zu sichern.

image

Zürich will hunderte neue Medizin-Studienplätze schaffen

Mit dem Projekt «Med500+» steigt die Zahl der Plätze für Studienanfänger von 430 auf 700. Zehn neue Professuren sind geplant.

image

Medizin-Universitäten: Bern überrascht in weltweitem Fachvergleich

Im «Shanghai-Ranking» der führenden Medizin-Hochschulen schneidet die Uni Bern unter den Schweizer Standorten am besten ab. In der Zahnmedizin schafft sie es sogar in die Weltspitze.

image

Tessiner Spitalverbund EOC gewinnt Spitalrose 2024

Für sein Engagement zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei schwangeren Ärztinnen erhält der Tessiner Spitalverbund die Auszeichnung des VSAO.

image

Der VSAO hat einen neuen Vizepräsidenten

Beim Assistenz- und Oberärzte-Verband folgt der USZ-Oberarzt Richard Mansky auf Severin Baerlocher.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.