Medizinstudierende wählen nach Fachattraktivität

Nicht Geld oder Lifestyle entscheiden – sondern die Faszination fürs Fach: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Medizinstudierende ihre Berufswahl vor allem nach der Attraktivität des Fachgebiets treffen.

, 8. Dezember 2025 um 05:05
image
Medizinstudierende der Uni Zürich. Bild: Alessandro Della Bella
Eine neue Studie des Universitätsspitals Zürich liefert Einblicke in die Berufswünsche angehender Ärztinnen und Ärzte. Veröffentlicht in Medical Education Online, untersucht die Studie, welche Fachrichtungen für Studierende am Ende ihres Masterstudiums besonders attraktiv sind.
Für die Beobachtungsstudie im Frühjahr 2025 wurden Absolventen aus Zürich, St. Gallen, Luzern, Basel und Lugano befragt. Insgesamt beantworteten 364 Studierende den Online-Fragebogen, 68 Prozent von ihnen waren Frauen.
Die Teilnehmenden wurden nicht nur zu ihrer Berufswahl befragt, sondern auch zu den Faktoren, die ihnen in ihrem zukünftigen Berufsleben besonders wichtig sind – etwa Arbeitsplatzsicherheit, Teilzeitmöglichkeiten, berufliche Autonomie, Einkommen oder die Qualität der Beziehungen zu ihren Patientinnen und Patienten.

Spezialisierung

Die zentrale Erkenntnis: Am Ende des Studiums waren die spezialisierten Disziplinen der stationären Versorgung (37%) sowie die spezialisierten Disziplinen der ambulanten Versorgung (20%) mit Abstand die attraktivsten Karriereoptionen. Die Studierenden nannten hierfür vor allem das Interesse an Chirurgie und der Spezialisierung als Hauptgründe.
Interessant ist die festgestellte Dynamik: Während des Masterstudiums stieg die Attraktivität für die Allgemeinmedizin sowie für die spezialisierte ambulante und stationäre Versorgung.
Im Gegenzug verzeichneten die ambulante Gynäkologie/Pädiatrie und die stationäre Allgemeine Innere Medizin einen Rückgang der wahrgenommenen Attraktivität.

Work-Life-Balance und Patientenbeziehung

Die Forschenden identifizierten auch die wichtigsten Kriterien für die Berufswahl der angehenden Ärztinnen und Ärzte. An der Spitze der Präferenzen standen:
  1. Die Ausübung medizinischer Kerntätigkeiten.
  2. Die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit.
  3. Die Beziehungen zu den Patienten.

Praxis während des Studiums

Welche Faktoren beeinflussen die beruflichen Ambitionen angehender Ärztinnen und Ärzte? An erster Stelle stehen die Möglichkeit, vollständig medizinisch tätig zu sein (84 %), der direkte Kontakt zu Patientinnen und Patienten (80 %) sowie ein sicherer Arbeitsplatz (80 %).
Am stärksten prägend sind jedoch die praktischen Erfahrungen während des Studiums: Das Wahljahr führt die Liste mit 91 % an, gefolgt von klinischen Kursen mit Patientenkontakt (70 %) und ausserschulischen Aktivitäten (69 %).
Als mögliche Hindernisse sehen die Studierenden vor allem gesellschaftliche Bedürfnisse: 14 Prozent geben den Mangel an wenig gewählten Fachrichtungen an, und 13 Prozent nennen den politischen Kontext. Dies verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den individuellen Karrierewünschen der Studierenden und den Anforderungen des Gesundheitssystems.

Die Studie weist jedoch mehrere Einschränkungen auf. So mussten die Studierenden die Attraktivität verschiedener Karrierewege retrospektiv für unterschiedliche Ausbildungsphasen – vom Bachelor- bis zum Masterstudium – beurteilen, was ein Risiko für Erinnerungsverzerrungen birgt. Z
udem wurden keine sozioökonomischen Daten erhoben, weder zum Beruf der Eltern noch zu Persönlichkeitsmerkmalen, die die Berufswahl beeinflussen könnten. Deshalb kann die multivariate Analyse nicht alle potenziellen Störfaktoren berücksichtigen.

  • medizinstudium
  • arbeitswelt
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Zürich: Verbände fordern Lohn-«Nachholrunde»

Die vier kantonalen Spitäler sollen ihren Rückstand mit dem Teuerungsausgleich 2026 wettmachen. Gefordert sind Lohnerhöhungen zwischen 1,8 und 2,4 Prozent.

image

So können Ärzte und Ärztinnen Medical Gaslighting verhindern

Medizinische Fachkräfte sollten sich immer wieder fragen: Nehme ich meine Patientinnen genug ernst? Sonst droht Medical Gaslighting.

image

Löhne: Gesundheitsbranche erwartet für 2026 nur ein kleines Plus

Die UBS prognostiziert einen durchschnittlichen Lohnanstieg von 1 Prozent. Damit dürfte das Gesundheitswesen im Mittelfeld liegen – nach einem ebenfalls verhaltenen Jahr 2025.

image

Uni Genf überarbeitet Medizinstudium

Die medizinische Fakultät der Genfer Universität leitet mehrere Reformen in der Lehre ein. Sie reagiert damit auf neue Herausforderungen – von der Künstlichen Intelligenz bis zur Sinnkrise des Arztberufs.

image

Der Mangel an selbständigen Ärzten wird sich nicht bessern

Eine Befragung – auch von Medizinstudenten – zeigt, dass ein unnötiger Flaschenhals bei der Organisation der Praktikumsplätze besteht.

image

Todesfall wirft Fragen zur Zulassung ausländischer Ärzte auf

Rund 3000 Ärzte arbeiten in der Schweiz ohne offiziell anerkanntes Diplom. VSAO-Präsident Severin Baerlocher fordert im «Tagesanzeiger», den Ärztebestand vorrangig mit hier ausgebildeten Fachkräften zu sichern.

Vom gleichen Autor

image

Centre Hospitalier du Valais Romand: Neuer Direktor

Gianni Saitta wechselt vom Kanton Waadt ins Spital Wallis. Er tritt im Mai 2026 die Nachfolge von Chrystel Carrupt an.

image

Frankreichs Ärzte streiken, die Notaufnahmen sind überlastet

Quoten und niedrigere Tarife: Viele französische Ärzte und Chirurgen in Privatkliniken beteiligen sich an einem Streik von bisher unbekanntem Ausmass.

image

Waadtländer Spitäler: 176 Millionen für Epic

Nun wurde der Gesamtpreis für die Beschaffung eines neuen Klinik-Informationssystems für das CHUV und elf Regionalspitäler bekannt. Er erstaunt.