SBK und KSGL-Spitze suchen neue Vertrauensbasis

Der Pflegeverband setzte die Sozialpartner-Gespräche aus, weil das Kantonsspital trotz Entlassungen Neueinstellungen durchführte. KSGL-CEO Stephanie Hackethal zeigt sich «irritiert» und weist die Vorwürfe zurück.

, 8. Februar 2024 um 23:00
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Hat das Management relevante Informationen vorenthalten? Um diese Frage geht es hier: Das KSGL in einem Imagefilm, Screenshot.
Für die Mitarbeitenden des Kantonsspitals Glarus war es eine Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten: Sie wurden über geplante Sparmassnahmen und damit verbundene Kündigungen informiert. Die Schritte sollen helfen, das erwartete Finanzloch von 13 Millionen Franken zu stopfen.
Im Lauf des Januars sei dann etlichen Pflegenden gekündigt worden. Weil daraus jedoch ein akuter Personalmangel resultierte, wurden wieder neue Pflegende angestellt: Dies hält der Berufsverband SBK Zürich/Glarus/Schaffhausen der Spitalleitung nun vor.
«Entgegen der Information, dass ein Personalabbau nicht zu vermeiden ist, wurde gleichzeitig eine Anzahl von Neuanstellungen bei den Pflegenden vorgenommen. Diese Informationen haben wir erst in den letzten Tagen erhalten», schreibt der Verband auf seiner Website.
«Die Verhandlungen mit dem KSGL sind eingestellt, da das nötige Vertrauen nicht vorhanden ist. Der SBK ZH/GL/SH setzt nach wie vor auf die Sozialpartnerschaft - die jedoch nur funktioniert, wenn ein Arbeitgeber mit offenen Karten spielt.» — Aus der Stellungnahme des SBK.
Dabei wären genau diese Informationen für den SBK wichtig gewesen, als er mit dem Spital über einen Sozialplan und über die Kündigungen – beziehungsweise über deren Verhinderung – verhandelte.

Verhandlungen eingestellt

Der SBK zieht daraus Konsequenzen: «Unser Berufsverband ist enttäuscht darüber, dass vom Kantonsspital Glarus (KSGL) im Zusammenhang mit den Verhandlungen für einen Sozialplan und wegen des Personalabbaus aus wirtschaftlichen Gründen bewusst wichtige Informationen zurückgehalten worden sind. Deswegen wurden die sozialpartnerschaftlichen Gespräche von uns auf Eis gelegt», meldete der Verband am Donnerstag.
Tags darauf folgten zumindest Signale der Annäherung: Nach einem längeren Telefonat erklärte sich der SKB bereit, «die Fäden der Sozialpartnerschaft wieder aufzunehmen», so ein neues Statement: Man wolle sich in Kürze zu einer umfassenden Besprechung zu treffen, um die Lage zu klären und «unser Vertrauen zum KSGL wieder herzustellen».
Parallel dazu hat die SP im Glarner Landtag eine dringliche Interpellation zum Thema eingereicht. Wie die «Südostschweiz» berichtet, fordert die Partei von der Regierung, dass eine «wohnortnahe, qualitativ gute und bezahlbare Gesundheitsversorgung» weiterbestehe.
Zugleich äussert die SP Zweifel, dass der Stellenabbau beim KSGL zur Gesundung der Finanzen beitrage. Die Sozialdemokraten wollen daher eine Diskussion darüber anstossen, wie in Zukunft kommuniziert wird und wie gute Leistungen erhalten werden können.
Stephanie Hackethal, CEO des KSGL, zu den Vorwürfen:
  • Voraus: Wir haben nicht 40 Pflegenden gekündigt – wie in den Medien mehrfach geschrieben wurde –, sondern wir mussten 36 Vollzeitstellen abbauen. 24 konnten über die normale Fluktuation reduziert werden, 12 Vollzeitstellen mussten wir leider entlassen.
  • Bezüglich den Vorwürfen bin ich irritiert, dass der Dialog vom SBK einseitig abgebrochen und dass ohne Rücksprache direkt an die Öffentlichkeit gegangen wurde. Uns war es immer ein Anliegen, den Diskurs auf Augenhöhe zu führen und Themen im direkten Gespräch zu klären. Ich bin überrascht von der Heftigkeit, die uns entgegengebracht wird: Diese belastet nicht nur unser sozialpartnerschaftliches Verhältnis, sondern schädigt auch den Ruf des Spitals. Das tut mir vorallem Leid für unsere Mitarbeitenden und die Bevölkerung.
  • Wir haben in den Verhandlungen mit dem SBK stets nach bestem Wissen und Gewissen informiert. Ein absichtliches Vorenthalten von Informationen hat definitiv nicht stattgefunden. Wenn Fehler gemacht wurden, stehen wir dazu.
  • Wir werden den Dialog mit dem SBK auf jeden Fall wieder aufnehmen und dann eine Ursachenanalyse durchführen. Dies ist seitens des SBK so bestätigt.
  • Der Vorwurf, dass wir die Stellen von entlassenen Mitarbeitenden wieder neu besetzt hätten, ist schlicht falsch. Auch ist falsch, dass wir entlassene Mitarbeitende wieder einstellen mussten wegen Fachkräftemangel. Tatsache ist: Wir mussten Stellen in manchen Abteilungen abbauen, gleichzeitig suchen wir für andere Abteilungen neue Mitarbeitende, wie zum Beispiel dem OP.
  • Und ja, wir hatten im vergangenen Jahr auch neue Mitarbeitende eingestellt, zeitversetzt im Sommer und Herbst, vor dem Entscheid zu den leider notwendigen Entlassungen im Dezember 2023 – wir taten dies auch in der Annahme und Hoffnung, dass die Fallzahlen steigen würden. Dem war leider nicht so und wir schreiben 2023 ein voraussichtliches Defizit von 6,5 Millionen Franken.




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