Schweizer Gehälter locken Pflegende – deutsche Patienten zahlen den Preis

Seit Jahren zieht es Pflegefachleute aus deutschen Grenzregionen in die Schweiz – mit Folgen: Die Sterblichkeit in den betroffenen deutschen Krankenhäusern steigt.

, 12. Januar 2026 um 16:04
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Symbolbild: USB
Die Abwanderung von Pflegefachleuten in die Schweiz hat Folgen für die Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern nahe der Grenze. Dies besagt eine neue Studie des ZEW Mannheim und des Ifo Instituts. Danach ist die Sterberate in Kliniken im Grenzbereich Baden-Württembergs zwischen 2006 und 2017 um fast fünf Prozent gestiegen ist. Dies während die Lebenserwartung im Rest Deutschlands weiter zunahm.
«Der durch den Pflegekräftemangel bedingte Rückgang von notwendigen medizinischen Eingriffen wirkte sich vor allem auf ältere Patientinnen und Patienten sowie Notfälle aus», so Oliver Schlenker, der Autor des Discussion Paper. «In den betroffenen Regionen liess sich eine stagnierende Lebenserwartung beobachten, während sie im Rest Deutschlands stieg.» Daraus könne abgeleitet werden, dass Fachkräftemangel nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern auch den Anstieg der Lebenserwartung negativ beeinflussen kann.
  • Oliver Schlenker: «The Deadly Consequences of Labor Scarcity: Evidence from Hospitals», ZEW Discussion Paper O.24-071, Januar 2026.
Speziell ab dem Jahr 2011 – als die Nationalbank einen Mindestkurs für den Euro festlegte – begannen viele in Grenznähe lebende deutsche Pflegefachleute, in der Schweiz zu arbeiten. Dies führte zu zwölf Prozent weniger Pflegepersonal in den deutschen Grenzspitälern – und zu einer schlechteren Versorgung.
Spitäler mussten Patienten priorisieren und weniger dringliche Operationen verschieben; es war eine Triage, die selbst Notfälle nicht immer ausreichend abdeckte. Besonders stark betroffen waren Patienten mit Herzinfarkt (+17,7 Prozent) und Sepsis (+11,6  Prozent). Insgesamt sank die regionale Lebenserwartung um etwa 0,3 statistische Lebensjahre im Vergleich zu anderen Regionen.

Finanzieller Anreiz

Die Gründe für die Abwanderung liegen laut Schlenker klar auf der Hand: «Die Löhne in der Schweiz sind deutlich höher, die Nachfrage nach Pflegepersonal gross, während die Gehälter in deutschen Krankenhäusern stagnieren. Das machte den Wechsel für Fachkräfte attraktiv.»
Schlenker betont, dass weitere Forschung dringend nötig sei: «In dieser Studie haben wir uns auf die Sterblichkeit konzentriert. Wichtig wäre auch zu untersuchen, welche Folgen der Pflegefachkräftemangel auf jüngere und gesündere Patientinnen und Patienten sowie auf das verbleibende Personal selbst hat. Es ist plausibel, dass er auch weitere negative Gesundheitsergebnisse begünstigt, beispielsweise chronische Erkrankungen und Folgeschäden.»
Die Studie basiert auf Daten deutscher und Schweizer Statistiken, darunter Grenzgängerzahlen, Krankenhausstatistiken und regionale Daten, und analysierte alle stationären Krankenhausfälle über zwölf Jahre, um die Auswirkungen des Fachkräftemangels auf Sterblichkeit und Lebenserwartung zu erfassen.

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