Spital Interlaken: Boykott «bei Bedarf jederzeit wieder»

Über die Fortschritte im Streit zwischen der Spitalleitung der Spitäler fmi und der Zuweiser sind sich die Parteien uneinig.

, 8. September 2016, 09:02
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Seit der Absetzung des Chefarztes Chirurgie am Spital Interlaken (Spitäler fmi) brodelt es zwischen der Spitalleitung und dem Ärztenetzwerk Beodocs. Der Ärzteverein empfahl seinen Mitgliedern sogar, keine Patienten mehr dem Spital Interlaken zuzuweisen. Und die Hausärzte forderten Spitaldirektor Urs Gehrig zum Rücktritt auf. 
Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. Der Boykott ist beendet, und es sollen zwischen den Parteien regelmässig Sitzungen zur strategischen Ausrichtung des Spitals Interlaken stattfinden. Ein zentrales Thema ist dabei die Zusammenarbeit zwischen den Hausärzten und dem Spital.  

Fortschritte – oder doch nicht?

Über die bisher erzielten Fortschritte sind sich die Parteien aber uneinig. Robert Zaugg, der Verwaltungsratspräsident der Spitäler fmi AG, spricht gegenüber der «Jungfrau Zeitung» von «grossen Fortschritten», die erzielt werden konnten. 
Martin Isler, der Präsident des Ärztenetzwerk Beodocs, ist da schon zurückhaltender: «Die Situation hat sich zwar noch nicht grundlegend geändert, der Dialog ist aber aufgenommen, und wir beginnen, uns gegenseitig besser zu verstehen.»

Greifen die Ärzte auf einen Boykott zurück?

Es wurde laut Isler bloss eine Auslegeordnung der anstehenden Probleme gemacht und Lösungsmöglichkeiten andiskutiert. «Konkrete Massnahmen wurden noch keine beschlossen».
So sei auch der Boykott des Spitals Interlaken durch die Hausärzte derzeit kein Thema mehr. «Aber wir können bei Bedarf jederzeit wieder auf dieses Mittel zurückgreifen», so Isler weiter. 

Das sind die zentralen Anliegen der Hausärzte


  • Laut Martin Isler müssen zuallererst die rechtlichen Grundlagen des Kantons von den Spitälern fmi eingehalten werden, insbesondere beim Betrieb der Notfallstation. 
  • Dann solle das Spital Interlaken wieder als Teil einer strukturierten Versorgungskette vom Hausarzt bis zum hochspezialisierten Universitätsspital verstanden werden. 
  • Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Kommunikation: Einerseits müssten Ansprechpersonen bezeichnet und erreichbar sein. «Andererseits muss auch die elektronische Kommunikation verbessert werden». 
  • Das Ärztenetzwerk Beodocs bedauert es sehr, dass der Verwaltungsrat nicht in der Arbeitsgruppe vertreten ist. 

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