Ärzte boykottieren Spital Interlaken

Seit der Absetzung des Chefarztes Chirurgie spitzt sich der Konflikt um das Spital Interlaken zu: Jetzt weigern sich sogar Hausärzte, Patienten zu überstellen.

, 9. Juni 2016, 07:47
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Das Berner Oberländer Ärztenetzwerk Beodocs greift zu einer drastischen Massnahme: Der Verein mit seinen knapp 60 Mitgliedern aus Grundversorgung, Spezialarzt- und Spitalmedizin empfiehlt seinen Mitgliedern, Patienten am Spital Interlaken vorbeizusteuern. 
«Der Vorstand von Beodocs hat am Dienstag seinen Mitgliedern empfohlen, dem fmi-Spital Interlaken keine Patienten mehr zuzuweisen, bis die Strategie des Spitals, die zur Entlassung von Arnold Kohler geführt hat, transparent wird und diskutiert werden kann», heisst es in einer Mitteilung.

Spital Thun statt Interlaken 

«Fürs Erste haben wir im Spital Thun angeklopft, um sicherzustellen, dass es zu Beginn unserer Aktion keine Engpässe gibt», sagt Beodocs-Präsident Martin Isler.
Die Ärzte protestieren gegen die Absetzung des Chefchirurgen Arnold Kohler. Am Freitag wurde der Facharzt für Chirurgie vom Verwaltungsrat um Präsident Robert Zaugg in seiner Funktion als Chefarzt entmachtet, wie auch Medinside berichtete. 

«Wir wollen, dass der Spitaldirektor zurücktritt»

Im Zentrum der Kritik steht laut der Mitteilung der Spitaldirektor Urs Gehrig, «welcher für die Oberländer Hausärzte den Hauptteil der Verantwortung für die zunehmende Entfremdung des Spitals von seinen Zuweisern trägt».
Präsident Martin Isler hat Gehrig persönlich eine Mail geschickt und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Er trage letztlich die Verantwortung für die Abschottung und die zunehmende Kommerzialisierung des Spitals. 
Isler sagt, man wolle dem Spital nicht schaden, sei auf dieses angewiesen. Man wolle aber erreichen, dass das Spitalangebot wieder auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnitten sei.

Trennung sei besser als Blockade

Spitaldirektor Urs Gehrig reagierte auf Anfrage der «Berner Zeitung» erstaunt. Man gefährde Spital und Arbeitsplätze, das sei bedenklich. Bisher sei mit Beodocs kein Gespräch zustande gekommen, «obwohl wir den Dialog angeboten haben». 
Zu Kohlers Absetzung sagt Gehrig: «Seit Jahren sind wir daran, Lösungen zu suchen, doch wir stellen fest, dass die Differenzen unüberwindbar sind.» Eine Trennung sei so besser als eine fortdauernde gegenseitige Blockade.
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