Schweizer Forscher entwickeln Schutzanzug für Epidemien

Die ETH Lausanne (EPFL) und das Genfer Universitätsspital (HUG) wollen die stickige Schutzkleidung durch einen bequemeren, günstigeren und wiederverwendbaren Einteiler ersetzen.

, 19. April 2016, 13:04
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Die Hilfskräfte, die bei der drei Jahre dauernden Ebola-Epidemie in Westafrika im Einsatz waren, steckten stundenlang in den hermetisch abgedichteten Schutzanzügen. Die Kleidung hielt zwar das Virus fern, war aber für den Einsatz im tropischen Klima wenig geeignet.

Prototyp wird jetzt präsentiert

In Zusammenarbeit mit dem Materialforschungsinstitut Empa, der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) und der Universität Genf wollen Forschende der EPFL und des HUG daher einen besseren Anzug entwickeln. Der Prototyp wird dieser Tage am «Geneva Health Forum» präsentiert und kann sogar anprobiert werden, wie die EPFL in einer Mitteilung schreibt. 
Herkömmliche Schutzanzüge bestehen aus verschiedenen Schichten, einer Taucherbrille, die schnell beschlägt, OP-Handschuhen und einer dicken Schürze. Nach einer Stunde Schwitzen im Plastikanzug sindzuletzt auch die Schuhe voll Wasser. Die Kleidung muss in der Regel nach einmaligem Gebrauch vernichtet werden. 

Der Einteiler kann desinfiziert werden

Der neu entworfene Anzug ist ein Einteiler und dafür gemacht, in einer Chlorlösung desinfiziert zu werden. So kann er für bis zu drei Monate wiederverwendet zu werden. Zudem soll er viermal weniger kosten als die heute gebräuchliche Schutzkleidung.
Noch fehlt dem Anzug ein Belüftungssystem, für dessen Entwicklung die Wissenschaftler nun Gelder anwerben wollen. Der Prototyp des Schutzanzugs ist laut Mitteilung jedoch bereits bei einem Treffen der World Health Organization (WHO) auf Interesse gestossen.
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