Mit Algen gegen Arthritis

Forscherinnen der ETH Zürich und der Empa sind einer vielversprechenden neuen Therapie gegen die Gelenkerkrankung auf der Spur.

, 29. August 2017, 13:00
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  • empa
  • forschung
Arthritis ist die am meisten verbreitete Gelenkerkrankung. Rund 90 Prozent aller über 65jährigen Personen sind in unterschiedlichem Ausmass davon betroffen. 
Eine Heilmethode gibt es nicht, gängige Therapien zielen nur darauf ab, die Symptome zu lindern. Dazu gehören Physiotherapien, Entzündungshemmer oder Schmerzmittel (siehe hier). 

Hoffnungsträger Braunalgen 

Wissenschaftlerinnen der ETH Zürich, der Empa und des norwegischen Forschungsinstituts SINTEF haben nun einen neuen Ansatz zur Behandlung von Arthrose entdeckt, der Patienten und Mediziner hoffen lässt. 
Ihre Forschungsergebnisse, soeben im Fachjournal «Biomaterials Science» veröffentlicht, weisen darauf hin, dass der Schlüssel zu einer Therapie in simplen Braunalgen liegen könnte. 
Marcy Zenobi-Wong, Katharina Maniura et al: «Anti-oxidant and immune-modulatory properties of sulfated alginate derivatives on human chondrocytes and macrophages» - in: «Biomaterials Science», August 2017
In Laboruntersuchungen ist es dem Team um die ETH-Forscherin Marcy Zenobi-Wong und die Empa-Forscherin Katharina Maniura gelungen, aus den Pflanzen eine Substanz zu identifizieren, die das Potenzial hat, den Knorpelabbau in den Gelenken aufzuhalten.  
Dabei handelt es sich um das aus den Stielen von Braunalgen gewonnene Polysaccharid Alginat, das bestimmten Molekülen aus Knorpelgewebe ähnelt. 

In Zellkulturen wirksam

Chemisch modifiziert, senkt Alginat den oxidativen Stress, wirkt in Versuchen mit Zellkulturen entzündungshemmend und unterdrückt die Immunreaktion gegen Knorpelzellen. 
«Damit bekämpft es die Ursachen von Arthritis», schreibt die Empa in einer Mitteilung. Die Hoffnung bestehe, dass die Algenmoleküle den Abbau der Gelenkknorpel sogar stoppen könnten. 
Noch stehe die Forschung ganz am Anfang, räumen die Wissenschaftlerinnen ein, aber aufgrund der ermutigenden Versuchsresultate lohne es sich, diesen Ansatz weiterzuverfolgen. 
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