Japan lässt erstmals mehr Medizinstudentinnen zu

Zum ersten Mal sind in Japan etwas mehr Frauen als Männer zum Medizin-Studium zugelassen worden. Erstaunlich. Denn lange wurden Frauen benachteiligt.

, 9. März 2022, 14:25
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Zum ersten Mal sind in Japan etwas mehr Frauen als Männer zum Medizinstudium zugelassen: An den Universitäten betrug die Aufnahmequote im Schnitt 13,6 Prozent bei den Frauen und 13,51 Prozent bei den Männern.

Bei der Prüfung Punkte abgezogen

Dass dieser winzige Unterschied dem Nachrichtenmagazin «Nikkei Asia» eine Meldung wert war, hat gute Gründe: Vor gut drei Jahren wurde nämliche bekannt, dass die Tokyo Medical University und auch andere Hochschulen angehende Ärztinnen jahrelang systematisch diskriminiert hatten.
Sie hielten den Frauenanteil auf einer heimlich vereinbarten Quote von 30 Prozent. Das erreichten sie, indem sie den Kandidatinnen bei der Aufnahmeprüfung Punkte abzogen, bei den männlichen Kandidaten im Gegenzug die Punktezahl erhöhten. Medinside berichtete hier darüber.

Frauen weniger geeignet für strenge Arbeit?

Der Grund für diese Manipulationen: Die Spitäler wollten vor allem Vollzeitstellen besetzen und fürchteten, dass Frauen weniger gut geeignet für lange Schichten und Notfälle seien. Ausserdem würden Ärztinnen nach der Schwangerschaft länger oder ganz zu Hause bleiben.
In der Tat zeigen Umfragen unter jungen Ärzten, die ihre klinische Ausbildung abgeschlossen haben, dass sich Frauen eher von Fachgebieten fernhalten, die lange Arbeitszeiten und Nachtschichten erfordern. Universitäten, welche die Ergebnisse manipuliert haben, könnten solche Trends zur Rechtfertigung ihrer Entscheidung herangezogen haben.

Maximal 720 Überstunden pro Jahr

Sie befürchteten, dass die Spitäler zum Beispiel zu wenig Chirurgen fänden, wenn mehr Frauen ausgebildet würden und diese dann andere Fachgebiete wählen.
Die Regierung reagierte deshalb mit einer Reform des Arbeitsgesetzes: Seit 2019 gilt eine Obergrenze von 720 Überstunden pro Jahr für den medizinischen Sektor. Für Spitäler in abgelegenen Gebieten, die von der Beschränkung negativ betroffen sein könnten, wurde jedoch eine fünfjährige Gnadenfrist gewährt.
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