Hilfe, ein Defibrillator!

Obschon die Lebensretter an vielen öffentlichen Orten einsatzbereit sind, wissen die Menschen nicht, was sie damit anfangen sollen.

, 26. September 2017, 04:00
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Defibrillatoren retten nachweislich Leben. Darum gibt es viele öffentlich zugängliche Geräte - so genannte Public Access Defibrillators (PAD) -, und darum sollte jeder Laie eine Reanimation durchführen können. Die Realität ist eine andere: Die Leute sind im Umgang mit Defibrillatoren äusserst zurückhaltend. 
Dies zeigt eine Auswertung von 68 internationalen Studien und Artikeln zum Thema, welche Wissenschaftler der University of Warwick vorgenommen haben. Die Arbeit wurde im «European Heart Journal» veröffentlicht. 
Laut den Autoren gibt es verschiedene Gründe, warum die Geräte nicht oder kaum benützt werden. Die meisten Leute 
  • wissen nicht, was Defibrillatoren sind,
  • wo sie sich befinden,
  • wie sie eingesetzt werden. 
Je nach Studie variiert zwar die Bereitschaft, einen Defibrillator zu verwenden. Aber das mangelnde Vertrauen und die Angst, mehr Schaden als Nutzen anzurichten, ist überall gleichermassen vorhanden. 
Christopher M. Smith, Sarah Lim Choi Keung, Mohammed Khan, Theodoros Arvanitis, Rachael Fothergill, Christopher Hartley-Sharpe, Mark Wilson, Gavin Perkins: «Barriers and facilitators to public access defibrillation in out-of-hospital cardiac arrest: a systematic review» - in: «European Heart Journal»
Dabei ist der Einsatz eines Defibrillators ein effektives Mittel gegen einen Herzstillstand. Sofortige Massnahmen zur Wiederbelebung wie Herzdruckmassage und eine Defibrillation innerhalb von fünf Minuten nach dem Kollaps können die Überlebensrate gegenüber einer blossen Herzdruckmassage auf mehr als das doppelte erhöhen. 
Allerdings ist die Zahl der Fälle, in denen ein PAD benützt wird, sehr tief - je nach Studie lediglich in 0,15 bis 4,3 Prozent der Herzstillstände, die ausserhalb eines Spitals auftreten.

Herzstillstände kennen keine Öffnungszeiten 

Die Autoren bemängeln, dass viele PAD schlecht zugänglich sind, obschon sie sich an öffentlichen Orten befinden, und häufig nicht einmal Rettungskräfte über die Verfügbarkeit Bescheid wissen. Sie geben auch zu bedenken, dass sich viele Defibrillatoren in Geschäftshäusern befinden, sich aber Herzstillstände nicht an Öffnungszeiten halten.
«Investitionen in neue Defibrillatoren sind eine gute Idee, aber mindestens so wichtig ist es, den Einsatz der bestehenden Geräte zu maximieren», sagt Theodoros Arvanitis, Professor für E-Health Innovation der University of Warwick. 
Eigentlich sind die Geräte dafür gedacht, von Laien bedient zu werden. Diese Botschaft ist offensichtlich noch nicht angekommen. Die Leute, die einen speziellen Kurs durchlaufen haben, nutzten die Geräte viel eher als die ohne Training - auch das zeigt die Untersuchung.  
Zur Medienmitteilung: «People are reluctant tu use public defibrillators to treat cardiac arrests», University of Warwick, 25. September 2017
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