Krankenkasse kauft Aktien vom Hôpital du Jura Bernois

Ab Anfang 2023 halten der Krankenversicherer Visana, der private Spitalbetreiber Swiss Medical Network und der Kanton Bern je rund ein Drittel am Spital Berner Jura.

, 28. Oktober 2022, 07:34
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Visana, Swiss Medical Network schliessen sich in einer öffentlich-privaten Partnerschaft zusammen. | zvg
Der Versicherer Visana beteiligt sich am Aktienkapital des Hôpital du Jura Bernois (HJB), einer Tochtergesellschaft der privaten Spitallkette Swiss Medical Network (SMN). Der Schritt erfolgt durch eine Kapitalerhöhung beim Aktienkapital des Spitals, wie die SMN-Muttergesellschaft Aevis am Freitag mitteilt. Das HJB betreibt das Spital in Moutier und in Saint-Imier sowie medizinische Zentren und ist seit rund einem Jahr im Mehrheitsbesitz von Genolier, wie die Gruppe in der Branche oft noch genannt wird. Der Kanton Bern hält bislang 48 Prozent.
Mit 35.1 Prozent wird die Westschweizer Privatspitalgruppe nun neu ab dem 1. Januar 2023 nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten, wie in der Mitteilung zu lesen steht. Nebst einem Anteil von 32.4 Prozent durch den Versicherer Visana wird auch der Kanton Bern mit ebenso 32.4 Prozent der dritte Aktionär der neuen Gesundheitsorganisation sein. Gleichzeitig erfolgt eine Namensänderung auf «Réseau de l'Arc».

Wollen alternatives Grundversicherungsprodukt lancieren

Das Projekt ist ein Versuch, die erste integrierte Versorgungsorganisation im Berner Jura aufzubauen, für eine Bevölkerung von rund 50'000 Menschen. Solche Gesundheitssysteme sind unter anderem in den USA (Kaiser Permanente) verbreitet und bieten medizinische Dienstleistungen in Kombination mit einem Krankenversicherungsprodukt. Das heisst auch: Mit jeder Person, die nicht erkrankt, erzielt das Unternehmen Gewinn. Das könnte auch dazu führen, dass kranken Menschen kostspielige und notwendige Leistungen vorenthalten werden. Solche Netzwerke sind nicht unumstritten, wie zum Beispiel die «New York Times» vor kurzem berichtete.
Ab dem 1. Januar 2024 will die neue Gesundheitsorganisation darüber hinaus ein alternatives Grundversicherungsprodukt auf den Markt bringen. Dieses soll auf einer pauschalen jährlichen Vergütung pro Mitglied beruhen. Die Details liegen noch nicht vor. Der Systemwechsel auf eine Kopfpauschale sei eine Abkehr von den heutigen Fehlanreizen an möglichst vielen und teuren Behandlungen und trage damit zur Kostensenkung bei, versprechen Swiss Medical Network, Visana und der Kanton Bern. Doch zuerst müssen noch viele offene Fragen geklärt werden. Und auch die Umsetzung dürfte eine grosse Herausforderung werden.
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