Jeder siebte Patient will im Alleingang über Therapie entscheiden

Eine grosse Basler Studie zeigt, in welchem Ausmass Patientinnen und Patienten bei ihrer Behandlung mitbestimmen wollen.

, 27. Oktober 2022, 08:33
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Patientinnen und Patienten, die lieber aktiv entscheiden wollen, sind auch weniger mit der Behandlung zufrieden. | Symbolbild Pexels
Wenn es um die Beteiligung an der Entscheidfindung für die nächsten Behandlungsschritte geht, haben Patientinnen und Patienten kaum überraschend unterschiedliche Präferenzen. Mehr als zwei Drittel entscheiden gerne kollaborativ mit dem Behandlungsteam über die nächsten Schritte. Sie lassen sich von den Fachleuten informieren, bringen aber auch ihre eigene Meinung mit ein. Dies zeigt eine grosse, vom Nationalfonds (SNF) finanzierte Studie um die Ärztin Sabina Hunziker vom Unispital Basel (USB).
Die Leitende Ärztin für Medizinische Kommunikation am USB hat mit ihrem Team untersucht, welche Konsequenzen diese unterschiedlichen Einstellungen haben können. Für die Studie protokollierten die Forschenden fast 800 sogenannte grosse Visiten am Krankenbett. Die Patienten wurden nach ihren Präferenzen, Wahrnehmungen der Visite und der Betreuung sowie ihrem medizinischen Wissen befragt. Die Fälle deckten eine Vielzahl von mehr oder weniger komplexen Krankheitsbildern sowie alle Altersgruppen ab.

Vertrauen in Spitalpersonal als Grund

Rund zwanzig Prozent bevorzugen dagegen eine passive Haltung, möchten also am liebsten alles den Ärztinnen überlassen. Überraschenderweise habe dies aber nicht unbedingt mit einem Mangel an medizinischem Wissen zu tun, heisst es. Laut der Befragung war diese Gruppe genauso gut über ihre Krankheit informiert wie alle anderen.
Die restlichen rund 15 Prozent der Patientinnen und Patienten wollen ihre Entscheidungen zudem vorwiegend alleine treffen. Sie berichten über ein mangelndes Vertrauen in Ärzte und Pflegende. Es zeigte sich zudem, dass diese Gruppe im Endeffekt auch weniger mit der Behandlung zufrieden ist.

Richtige Kommunikation entscheidend

Bei dieser Gruppe sehen die Studienautoren das grösste Potenzial für eine Verbesserung der Kommunikation. Mit den Personen die zu diesem sogenannten aktiven Typ gehörten, müsste man deswegen ein Gespräch so führen, dass sie sich nicht überfahren fühlten und ihre Anliegen anbringen könnten. «Es ist wichtig zu erkennen, was genau für diese Patienten in diesem Moment richtig ist», sagt Hunziker.
Das medizinische Personal sollte generell die unterschiedlichen Bedürfnisse erkennen und personalisiert darauf Rücksicht nehmen. Diese Techniken könne man üben. Die Erkenntnisse der Studie fliessen am Universitätsspital Basel nun direkt in die Lehre mit ein.
Sabina Hunziker et al. «Patients’ Preference for Participation in Medical Decision-Making: Secondary Analysis of the Bedside-Outside Trial», in: «Journal of General Internal Medicine», Oktober 2022.

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