Studie: Immuntherapie steigert Überlebenschancen bei Lungenkrebs

Eine Studie des Kantonsspitals Baden und des Unispitals Basel zeigt: Wenn Patienten mit Lungenkrebs schon vor der Operation eine Immuntherapie erhalten, überleben deutlich mehr von ihnen die ersten fünf Jahre.

, 2. Oktober 2025 um 09:03
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Unter der Lupe betrachtet: Interaktion zwischen einer Immunzelle und einer Tumorzelle Bild: Laborbild Universitätsspital Basel / Prof. Dr. med. Alfred Zippelius
Lungenkrebs gehört weltweit zu den tödlichsten Krebsarten. In der Schweiz erkranken jährlich rund 4’500 Menschen daran. Besonders für Patientinnen und Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen, aber operablen Lungenkrebs (Stadium IIIA NSCLC) war die Prognose bislang ungünstig: Nach fünf Jahren lebte nur etwa ein Drittel.

Über die Studie

Die Phase-II-Studie SAKK 16/14 wurde vom Swiss Cancer Institute koordiniert und von zahlreichen Spitälern in der ganzen Schweiz unterstützt. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,4 Jahren lag das mediane Gesamtüberleben noch nicht vor, die mediane ereignisfreie Zeit betrug 4 Jahre.
Die nun in «Nature Communications» veröffentlichte Studie könnte Betroffenen neue Hoffnung machen: Die schweizer Forschenden haben herausgefunden, dass eine Kombination aus Chemotherapie und einer Immuntherapie mit dem PD-L1-Hemmer Durvalumab vor der Operation die Fünf-Jahres-Überlebensrate (Overall Survival) auf rund zwei Drittel erhöht.

Immunabwehr als Schlüssel

Die Forschenden untersuchten auch, warum die Behandlung bei manchen besonders gut wirkt. Entscheidend ist dabei die Stärke und Vielfalt der Immunabwehr:
  • Killerzellen im Tumor: Viele eindringende CD8+ T-Zellen verbessern das Ansprechen.
  • Tertiäre lymphoide Strukturen: Grosse Ansammlungen von Immunzellen im Tumor sind ein gutes Signal für langfristiges Überleben.
  • T-Zell-Vielfalt: Je vielfältiger die Rezeptoren, desto flexibler kann das Immunsystem auf den Krebs reagieren.
  • Blutmarker: Aktivierte Immunzellen und bestimmte Signalstoffe im Blut geben Hinweise auf den längerfristigen Nutzen.
Damit liefert die Studie auch neue Biomarker, die eine personalisierte Therapie künftig erleichtern könnten.
«Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Immunabwehr im Tumor und im Blut entscheidend für den Therapieerfolg ist», sagt Alfred Zippelius, Onkologe am Universitätsspital Basel in einer Medienmitteilung. «Künftig können wir dadurch besser entscheiden, wer besonders von einer Immuntherapie profitiert.»
Studienleiter Sacha Rothschild vom Kantonsspital Baden betont: «Unsere Studie war die erste, die Immuntherapie vor einer Operation untersucht hat, und mit einer Dauer von über fünf Jahren weist sie die längste Nachbeobachtungszeit auf. Heute sehen wir: Diese Behandlung ist nicht nur wirksam, sondern auch sicher.»

Zur Originalpublikation:

  • KSB
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