Wie vier MPAs eine Hausarztpraxis in die Zukunft führten

Hausarzt geht in Pension, Praxis steht vor dem Aus: So läuft es oft. In Münsingen nahmen die medizinischen Praxisassistentinnen die Sache selbst in die Hand.

, 11. August 2025 um 12:06
image
«Nachfolge gesucht: MPA-Team schreibt Arztstelle aus»: So lautete unser Titel im Januar. In Münsingen suchte für einmal nicht eine Hausarztpraxis händeringend nach MPA, sondern die Medizinischen Praxisassistentinnen suchten nach einem Hausarzt oder einer Hausärztin.
Denn in Münsingen geht das Hausärztepaar Cornelia und Rolf Anderhalden Ende Jahr in Pension. Die MPA der rund dreissig Jahre alten Praxis wollten jedoch weitermachen und zusammenbleiben.
Also platzierten die vier Angestellten in der regionalen Plattform «Bern-Ost» ein Stelleninserat sowie auf allen denkbaren Social-Media-Kanälen einen Aufruf: «Bist DU Hausarzt/Hausärztin und motiviert, eine Praxis mit MPAs und Infrastruktur im Herzen von Münsingen zu übernehmen?», hiess es etwa auf LinkedIn: «Um die Praxis erfolgreich weiterführen zu können, braucht es DICH und vielleicht eine Kollegin/Kollegen, um die Hausarztversorgung in Münsingen zu retten.»

MPA auch als Investorin

Das Engagement hatte Erfolg. Wie «Bern-Ost» schreibt und die MPA bestätigen, besteht die Praxis Anderhalden weiter – grösser denn je. Denn über LinkedIn meldete sich die Frau, die als Investorin einsteigt. Sie ist selbst gelernte MPA und hat bereits mehrere Gemeinschaftspraxen aufgebaut.
Künftig werden in der neuen Hausarztpraxis Münsingen ein Arzt und zwei Ärztinnen arbeiten. Die Praxis bietet auch hausärztliche Sprechstunden beim Ärzteteam sowie ein Walk-In-Angebot für Notfallpatienten. Und dabei sei die Praxis – die bislang rund 1’800 Patientinnen und Patienten betreute – auch in der Lage, wieder neue Patienten aufzunehmen.
Obendrein bleiben Cornelia und Rolf Anderhalden der Praxis erhalten. Mit einem kleinen Pensum arbeiten die bisherigen Hausärzte nächstes Jahr weiter mit.

«Herzlichkeit und Hingabe»

In ihren Ausschreibungen versprachen die Assistentinnen nicht nur die bestehende Praxis im Berner Mittelland mit Labor, Röntgen, EKG, sondern quasi als Haupt-Asset auch  «ein topmotiviertes und eingespieltes MPA-Team». Das ist bekanntlich schwer genug zu finden.
«Wir als konstantes MPA-Team haben durch die jahrelange Arbeit unsere Patienten/-innen bestens kennen und schätzen gelernt», hiess es zu Jahresbeginn in einem LinkedIn-Post: «Wir bekommen laufend positive Rückmeldungen betreffend unserer Herzlichkeit und Hingabe.»
  • «Hausarzt ist kein Beruf, den man subventionieren muss». Ein Arzt macht vor, wie eine Berggemeinde zu medizinischer Versorgung kommt. Und er kritisiert Kollegen, die einfach ihre Praxis schliessen.
  • Es braucht mehr Ärzte, die vom Land kommen. Wie bekommt man mehr Hausärzte in ländliche Regionen? Ganz einfach: Indem mehr Menschen Ärzte werden, die dort aufgewachsen sind.

  • grundversorgung
  • MPA
  • hausärztemangel
  • Hausarztmedizin
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Das Spital im eigenen Haus

Spital zuhause (Hospitalisation à domicile - HàD) entlastet Spitäler bei chronischen Leiden. Das Angebot des Réseau de l'Arc ergänzt seit November 2023 das VIVA-Modell und bringt die medizinische Versorgung direkt zu den Patienten nach Hause.

image

Integrierte Versorgung: eine Antwort auf chronische Krankheiten

Chronische Krankheiten stellen eine wachsende Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Mit dem Gesundheitsplan VIVA setzt das Réseau de l’Arc auf eine integrierte Versorgung, eine verstärkte Koordinierung der Pflege und eine persönliche Begleitung der Patienten in ihrem Alltag.

image

Spitalplanung: Freiburg bremst gleich drei Klinikprojekte aus

Der Freiburger Staatsrat hat seinen Bericht über die Spitalplanung in die Vernehmlassung geschickt. Drei neue Spitäler – La Berra, Renaissance und Gruyère – werden damit in Frage gestellt.

image

In Muri entsteht ein neues Gesundheitszentrum

In Muri baut die Espace Health Gruppe ihr Angebot weiter aus: Zur Hausarztpraxis ist eine Dorfapotheke hinzugekommen, weitere medizinische Dienstleistungen sind geplant.

image

Nach drittem Anlauf: Gemeinden sagen Ja zum Spital Oberengadin

Das Spital Oberengadin kann weitergeführt werden, doch die Rettung geht mit Einschnitten einher: 48 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

image

Interoperabilität für ein zukunftsfähiges Spital

Viele Spitäler digitalisieren, aber noch zu wenig systemisch. Insellösungen bremsen Prozesse und belasten den Alltag. Interoperabilität schafft die Grundlage für durchgängige Abläufe, regulatorische Sicherheit und Innovation. Ohne sie entfalten Telemedizin und KI ihren Nutzen nicht nachhaltig.

Vom gleichen Autor

image

Kantonsspital Baden: Neuer Leiter für die Rheumatologie

Tobias Manigold übernimmt die Leitung der Rheumatologie am KSB. Vorgänger Andreas Thueler bleibt dem Kantonsspital weiterhin verbunden.

image

Der Notfall-Finder startet nun auch im Emmental

Mit einem Online-Fragebogen zur Selbsteinschätzung und Live-Daten zur Auslastung des Notfalls will das Spital Emmental den Patienten mehr Sicherheit geben – und die Stationen entlasten.

image

Schweizer Spitäler im Vergleich: Kleine Unterschiede auf hohem Niveau

Das internationale Spitalranking von «Newsweek» bietet auch eine eigene Schweizer Rangliste: Das sind die 25 hervorragenden Häuser unter den «World’s Best Hospitals» 2026.