Letzte Chance fürs Spital Oberengadin

Nach zwei gescheiterten Abstimmungen droht dem Spital Oberengadin das Aus. Die Gemeinden sehen in der Gründung einer öffentlich-rechtlichen Anstalt die letzte Chance für den Standort.

, 8. Januar 2026 um 06:50
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Bild: zvg
Nach zwei gescheiterten Abstimmungen steht das Spital Oberengadin vor dem definitiven Aus. Um eine Schliessung per Ende März 2026 abzuwenden, reagieren die Gemeinden der Region Oberengadin nun mit einer grundlegenden Neuorganisation der Gesundheitsversorgung.
Vorgesehen ist die Gründung der öffentlich-rechtlichen Anstalt «Sanadura», welche Verantwortung, Finanzierung und Steuerung der Gesundheitsversorgung künftig verbindlich regeln soll.
Ab dem 1. April 2026 soll sie die Akut- und Langzeitversorgung im Oberengadin sicherstellen. Die Verantwortlichen sprechen in einer Mitteilung sprechen von einer «letzten Chance für den Standort».
Die neue Trägerschaft kommt zustande, wenn mindestens sieben der elf Gemeinden der Gesundheitsversorgungsregion zustimmen und diese zusammen mindestens die Hälfte der Stimmbevölkerung vertreten. Damit entfällt das bisherige Einstimmigkeitserfordernis.
Die heutige Trägerin, die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO), befindet sich in Nachlassstundung und wird nach deren Ablauf liquidiert. Sie betreibt derzeit das Spital Oberengadin, die Alterszentren «Du Lac» und «Promulins», eine Spitex sowie Beratungsstellen und – gemeinsam mit der Klinik Gut AG – der Rettungsdienst Oberengadin (REO).
Nach aktuellem Stand wird die SGO Ende März 2026 zahlungsunfähig. Ohne neue Struktur wäre die Gesundheitsversorgung in der Region nicht mehr gewährleistet.

Bei Ablehnung droht die Schliessung

Wird «Sanadura» abgelehnt, droht die vollständige Schliessung sämtlicher SGO-Betriebe. «Wird die Gründung der öffentlich-rechtlichen Anstalt «Sanadura» abgelehnt, kommt es zur endgültigen Schliessung und Liquidation aller SGO-Betriebe», hält Selina Nicolay, Stiftungsratspräsidentin der SGO, fest. Das Spital in Samedan würden geschlossen. Die Alterszentren «Du Lac» und «Promulins» sowie die Spitex könnten von der SGO nicht mehr weiterbetrieben werden. Wie die Gemeinden die Gesundheitsversorgung danach organisieren würden, ist offen.
Leistungsvereinbarung «Spital»
Die öffentlich-rechtliche Trägerschaft «Sanadura» wird selbst kein Spital betreiben. Mit der Leistungsvereinbarung «Spital» zwischen den Trägergemeinden und «Sanadura» soll sichergestellt werden, dass die neue Trägerschaft einen Dienstleistungsvertrag mit der Stiftung Kantonsspital Graubünden (KSGR) und deren Tochterunternehmen Klinik Gut AG abschliessen kann. Vorerst gilt der Vertrag bis Ende 2026; im laufenden Jahr wird eine mehrjährige Leistungsvereinbarung erarbeitet, die im Herbst 2026 zur Abstimmung kommt.
«Durch die Sicherstellung der Akutversorgung über KSGR und Klinik Gut sollen Synergien genutzt, das medizinische Angebot an die Bedürfnisse der Region angepasst und die organisatorische Komplexität reduziert werden», heisst es weiter. Dazu soll eine eigene juristische Einheit gegründet werden: die Spital Oberengadin AG.

Leistungsangebot

Das Leistungsangebot soll weiterhin eine 24-Stunden-Notfallversorgung, eine IMC mit Überwachungsbetten, Geburtshilfe sowie ambulante spezialärztliche Angebote umfassen. Damit wäre die medizinische Grund- und Notfallversorgung der Region zumindest bis Ende 2026 gesichert. Eine mehrjährige Leistungsvereinbarung soll im Laufe des Jahres ausgearbeitet und im Herbst 2026 zur Abstimmung gebracht werden.
Wird die Leistungsvereinbarung abgelehnt, kann kein Dienstleistungsvertrag mit der KSGR-Gruppe abgeschlossen werden. Das Spital Oberengadin in Samedan wird endgültig geschlossen.
Zwei weitere Leistungsvereinbarungen betreffen die Langzeitpflege. Bis Ende 2026 soll «Sanadura» die Alterszentren sowie die Spitex weiterführen oder die Leistungen an Dritte auslagern. Werden diese Vereinbarungen abgelehnt, fehlt die Finanzierung – Alterszentren und Spitex könnten nicht weiterbetrieben werden.

Finanzierung

Der finanzielle Aufwand unterscheidet sich deutlich von früheren Vorlagen. Vorgesehen sind ein Dotationskapital von 2,5 Millionen Franken für «Sanadura», jährliche Betriebsbeiträge von insgesamt 8,55 Millionen Franken sowie befristete Darlehen von insgesamt 8,5 Millionen Franken für Spital, Alterszentren und Spitex. Diese sollen die Liquidität in der Startphase sicherstellen.
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