Spitalverband H+ übt Kritik an Agenda Grundversorgung

Der Spitalverband H+ beurteilt den Fachbericht zur Agenda Grundversorgung kritisch. Aus Sicht des Verbands werden Spitäler und Kliniken in der Strategie zu wenig berücksichtigt

, 9. Dezember 2025 um 16:19
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Symbolbild: Unsplash
Anfang Woche wurde der Fachbericht zur Agenda Grundversorgung von der Steuergruppe an das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) übergeben.
Der Bericht bildet die Grundlage für die Umsetzung der gesundheitspolitischen Priorität von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, die Grundversorgung in der Schweiz zu stärken.
Nun hat der Spitalverband H+ seine Stellungnahme abgegeben und zeigt sich kritisch.
  • Die Agenda Grundversorgung war anlässlich der Nationalen Konferenz Gesundheit 2030 im Februar 2024 präsentiert worden. Ziel ist eine qualitativ hochwertige Grundversorgung, die allen Menschen in allen Regionen der Schweiz zugänglich ist.
  • Unter Federführung des BAG arbeiteten seit Anfang 2025 Verbände, Berufsorganisationen, Patientenvertretungen, Versicherer sowie Bund, Kantone und Gemeinden an Massnahmen, die in den Handlungsfeldern A («Innovative Versorgung, Weiterentwicklung Berufsprofile sowie Klärung der Rahmenbedingungen») und B («Nachwuchsförderung, Arbeitsbedingungen und Berufsverweildauer») zusammengefasst sind.
H+ kritisiert insbesondere Handlungsfeld A. «Die Rolle der Spitäler und Kliniken als wichtiger Pfeiler der Grundversorgung wird nur marginal berücksichtigt», erklärt der Verband gegenüber Medinside. Gerade bei innovativen Versorgungsmodellen sowie bei der Weiterentwicklung von Rollen und Kompetenzen der Gesundheitsfachpersonen müssten Spitäler eine zentrale Rolle spielen. Im Bericht hingegen liegt der Fokus stark auf der ärztlichen Grundversorgung, obwohl Spitäler bereits heute einen wesentlichen Teil der Versorgung leisten – etwa in der ambulanten Notfallversorgung oder in Randregionen.
H+ betont, dass der Bericht nun dem EDI übergeben wurde und nicht mehr angepasst werden kann, «obwohl H+ im Erarbeitungsprozess wiederholt auf die Spitäler als zentralen Pfeiler der Grundversorgung hingewiesen hat».
In den nächsten Schritten müssten Spitäler und Kliniken deutlich stärker einbezogen werden, um das Gesundheitswesen gemeinsam im Interesse der Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln, schreibt H+. «Es darf nicht sein, dass sie u.a. bei der Ausgestaltung innovativer Versorgungsmodelle und der Weiterentwicklung von Rollen und Kompetenzen kaum mitreden, am Ende aber die beschlossenen Massnahmen umsetzen sollen.»
Die Umsetzung der Agenda Grundversorgung startet Anfang 2026. Im ersten Schritt sind die Mitglieder des Forums Medizinische Grundversorgung eingeladen, bis Ende Januar 2026 eine Stellungnahme zu priorisierten Massnahmen und ihrer Beteiligung an der Umsetzung einzureichen. Anschliessend sollen die Massnahmen zeitlich priorisiert und die Verantwortlichkeiten verbindlich festgelegt werden.


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