Cadisc‑L-Skandal: Prozessbeginn im Januar

Ein Berner Chirurg muss sich wegen fehlerhafter Bandscheibenimplantate vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, bei sieben Patienten das Implantat Cadisc‑L eingesetzt zu haben.

, 22. Dezember 2025 um 06:01
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Das fehlerhafte Bandscheibenimplantat Cadisc‑L. Bild: zvg
Ein Berner Chirurg muss sich im Januar vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten. Ihm wird schwere Körperverletzung vorgeworfen, da er mehreren Patienten das fehlerhafte Bandscheibenimplantat Cadisc‑L eingesetzt haben soll. Das berichten mehrere Medien, darunter die «Berner Zeitung» und die Nachrichtenagentur SDA-Keystone, der die Anklageschrift vorliegt.
Der Prozess ist auf den 12. Januar angesetzt, die Urteilseröffnung soll am 9. Februar erfolgen. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Bereits 2019 hatte die Berner Staatsanwaltschaft gegen den Chirurgen ein Verfahren eröffnet, wie damals Recherchen von Medinside zeigten.

Bandscheibenimplantat «Cadisc-L»

Hinter dem Prozess steht der Skandal rund um das Bandscheibenimplantat Cadisc‑L. Bereits nach der Markteinführung zeigte sich bei zahlreichen Patienten, dass das Implantat im Körper strukturell versagte, sich teilweise zersetzte oder verschob, was häufig mehrfache Nachoperationen erforderlich machte.
Schon in Tierversuchen an Primaten und später bei ersten Patientinnen und Patienten traten gravierende Probleme an der Schnittstelle zwischen Implantat und Knochen auf; dennoch wurde das Produkt weiter klinisch eingesetzt, bevor es schliesslich wegen gehäufter Komplikationen vom Markt genommen wurde.
Nach Angaben der zuständigen Staatsanwältin sollen die eingesetzten künstlichen Bandscheiben bei sieben operierten Personen versagt und zu strukturellen Schäden an der Wirbelsäule geführt haben.
Der Fall war 2018 durch ein internationales Rechercheteam unter Beteiligung von Tamedia publik geworden (Medinside berichtete). Der Chirurg soll die Entwicklung des Bandscheibenimplantats Cadisc-L wissenschaftlich begleitet und das Produkt zwischen 2011 und 2013 im Salem-Spital in Bern bei sieben Patientinnen und Patienten implantiert haben.
Die Verteidigung weist die Vorwürfe zurück. Die Anwältin des Chirurgen betont, ihr Mandant habe sich sowohl rechtlich als auch berufsethisch korrekt verhalten.
Das Implantat wurde von der inzwischen konkursiten britischen Firma Ranier vertrieben.
  • Die «Süddeutsche Zeitung» veröffentlichte einen ausführlichen Beitrag zum Skandal um das Implantat «Cadisc‑L» unter dem Titel «Splitter im Rücken».

  • Chirurgie
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