Zürich: Fast eine halbe Milliarde für die nächste Ärztegeneration

Der Zürcher Kantonsrat bewilligt 25 Millionen Franken für das Projekt «Med500+». Ab 2030 sollen an der Universität Zürich jährlich 700 statt 430 Studierende Humanmedizin beginnen.

, 3. März 2026 um 05:14
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Hörsaal am USZ. Bild: Christoph Stulz
Der Zürcher Kantonsrat reagiert auf den zunehmenden Ärztemangel und stockt die Ausbildungskapazitäten deutlich auf. Mit 174 Stimmen genehmigte das Parlament gestern einen Objektkredit von 25 Millionen Franken für das Projekt «Med500+».
Ab 2030 sollen an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich jährlich 700 Studienplätze zur Verfügung stehen – heute sind es 430.
Mit dem Ausbau will der Kanton die Abhängigkeit vom Ausland reduzieren. Derzeit stammen über 40 Prozent der in der Schweiz tätigen Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland. Studien gehen davon aus, dass bis 2040 schweizweit zwischen 5500 und 8700 Ärztinnen und Ärzte fehlen könnten.

Professuren und Infrastruktur

Geplant sind zudem zehn zusätzliche Professuren mit insgesamt rund 140 Vollzeitstellen sowie zusätzliche Ausbildungsflächen im Umfang von rund 24’000 Quadratmetern. Auch das Curriculum soll überarbeitet werden: Das Studium soll praxisnäher werden und stärker auf zeitgemässe Instrumente setzen, etwa mit einer Simulationsklinik.
Insgesamt dürfte der Ausbau den Kanton Zürich bis 2036 fast eine halbe Milliarde Franken kosten. «Es wird eine Mitfinanzierung durch den Bund und gegebenenfalls andere Kantone angestrebt», sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner im Vorfeld gegenüber «SRF».

Breite Zustimmung – aber auch Mahnungen

Der Ausbau war im Kantonsrat grundsätzlich unbestritten. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Parteien betonten die Notwendigkeit, mehr Ärztinnen und Ärzte im Inland auszubilden. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass zusätzliche Studienplätze allein das Problem nicht lösen. Ebenso wichtig seien genügend Weiterbildungsstellen sowie attraktive Arbeitsbedingungen in Spitälern und Praxen.
Kritik wurde auch am Numerus Clausus geäussert, der die Zahl der Studienplätze bislang stark begrenzt.
Der VSAO Zürich begrüsst den Entscheid des Kantonsrats rund um das Projekt «Med500+» und damit den Ausbau der Medizin-Studienplätze in. Der Ausbau sei ein erster zentraler Schritt zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Gleichzeitig fordert der Berufsverband Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsqualität. «Bei der anstehenden Curriculumsevision helfen wir gerne weiter mit», schreibt der VSAO in einem LinkedIn Beitrag.

  • Medizinstudierende wählen nach Fachattraktivität
Nicht Geld oder Lifestyle entscheiden – sondern die Faszination fürs Fach: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Medizinstudierende ihre Berufswahl vor allem nach der Attraktivität des Fachgebiets treffen.

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