Insel Gruppe: «Ein gutes Jahr reicht nicht»

Mit 134,8 Millionen Franken erzielt die Insel Gruppe das beste Resultat ihrer jüngeren Geschichte. Verwaltungsratspräsident Adrian Schmitter sieht darin den Lohn ausserordentlicher Leistungen der Mitarbeitenden – warnt aber vor Selbstzufriedenheit.

Nachgefragt bei Adrian Schmitter, 2. März 2026 um 15:53
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Adrian Schmitter. Bild: zvg
Die Insel Gruppe erzielte 2025 das höchste Ergebnis ihrer jüngeren Geschichte – wie ordnen Sie diesen Rekord aus Sicht des Verwaltungsrats ein?
Die Insel Gruppe ist wieder auf Kurs. Das freut mich sehr. Entscheidend ist, dass unsere Mitarbeitenden die Situation ernst genommen und Ausserordentliches geleistet haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Jetzt geht es darum, diesen Kurs zu halten. Ein gutes Jahr allein reicht nicht. Mit gezielten Investitionen in die Infrastruktur sowie mit der digitalen Transformation und der damit verbundenen Optimierung der Prozesse haben wir die Grundlage geschaffen, um langfristig erfolgreich zu sein.
Die Personalkosten sind um über 30 Millionen Franken gesunken. Welche konkreten Massnahmen haben zu dieser Reduktion geführt?
Für unsere grossen Projekte waren zeitweise zusätzliches Personal und externe Unterstützung erforderlich. Diese konnten wir wieder reduzieren. Wir haben uns entschieden, externe Mitarbeitende zugunsten von internen Mitarbeitenden zu ersetzen. Die Massnahmen waren notwendig. Da wir mit den Investitionen in die Infrastruktur und mit der digitalen Transformation Abläufe vereinfacht haben, konnten wir Kosten senken und unsere Ziele für 2025 erreichen.
  • Adrian Schmitter war zuletzt CEO des Kantonsspitals Baden. Seit Juni 2025 gehört er dem Verwaltungsrat der Insel Gruppe an, dessen Präsidium er im November übernommen hat.
Die Fallzahlen und der Case-Mix steigen. Wird die Insel Gruppe ihr Leistungsportfolio weiter schärfen – und wenn ja, in welche Richtung?
Ja. Die Zunahme von 3,0 Prozent im stationären und 4,8 Prozent im ambulanten Bereich ist erfreulich – und das Ergebnis konsequenter Weiterentwicklung. Gleichzeitig behandeln wir mehr komplexe und schwer erkrankte Patientinnen und Patienten. Mit der Strategie 2035 wollen wir ein integratives Gesundheitsnetz aufbauen. Dazu gehört, unser Leistungsangebot sorgfältig zu analysieren und mit Partnern abzustimmen. Für das Spital Aarberg prüfen wir zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit dem Spitalzentrum Biel. Auch an den weiteren Standorten wollen wir das Leistungsportfolio gemeinsam mit unseren Zuweisenden optimieren.
Was sind Ihre drei wichtigsten Prioritäten für die nächsten zwei Jahre, damit die Insel Gruppe finanziell stabil bleibt und gleichzeitig in Medizin, Forschung und Infrastruktur investieren kann?
Erstens: Angebot und Infrastruktur so ausrichten, dass wir intern und mit unseren Partnern optimal zusammenarbeiten – mit dem obersten Ziel des Patientenwohls. Dafür entwickeln wir einen neuen Masterplan. Zweitens: Die digitale Transformation weiter nutzen und uns international noch stärker vernetzen, um weiterhin Spitzenmedizin anzubieten. Drittens: Unsere Kultur stärken. Respekt, Exzellenz und Verantwortung sollen im Alltag spürbar und für Mitarbeitende wie für Patientinnen und Patienten erlebbar sein.


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