Spital Emmental: 10 Prozent mehr Notfälle

Nicht der Gesundheitszustand der Emmentaler oder eine Häufigkeit von Unfällen beschert dem Notfalldienst des Spitals Emmental viel Arbeit. Vielmehr ist es der Mangel an Hausärzten.

, 19. Januar 2018 um 21:34
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Auf dem Notfall des Spitals Burgdorf wurden im letzten Jahr rund 9800 Patientinnen und Patienten behandelt, auf dem Notfall Langnau rund 5800. Das sind im Durchschnitt beider Standorte fast 10 Prozent mehr Notfälle als 2016. Das Wachstum der Vorjahre setzte sich damit fort, teilt das Spital Emmental mit. 
Bekannt ist, dass viele Leute, die keinen Hausarzt haben, auch bei Bagatellen direkt auf den Spitalnotfall gehen. Das gilt vor allem für Ausländer, die sich nichts anderes gewohnt sind. Doch im Emmental liegt der Grund dieses unerfreulichen Trends nicht bei der ausländischen Wohnbevölkerung, sondern beim Mangel an Hausärzten.
Für die Patienten sei es oft schwierig, zeitnahe einen Termin beim Hausarzt zu erhalten. Häufig würden sie in der Region gar keinen finden, der freie Kapazitäten habe. «Deshalb melden sich viele direkt auf dem Notfall und weisen sich selbst ein», erklärt Marc Sebel der Berner Zeitung. Er ist stellvertretender Leiter Notfallstation und Rettungsdienst beim Spital Emmental.

Bei einer Erkältung auf den Notfall

So kämen manche auch bei einer Grippe oder einer Infektion der Atemwege in die Notaufnahme, obwohl viele dieser Fälle laut Sebel problemlos vom Hausarzt behandelt werden könnten.
Gemäss Medienmitteilung waren die häufigsten Notfälle auf heftige Bauchschmerzen, Knochenbrüche, Infektionen der Luftwege, Herzkreislauferkrankungen und Magen-Darm-Infektionen zurückzuführen. Spitzenmonat ist der Dezember. 
Der durchschnittliche Spitzentag war in Burgdorf mit gegen 1600 Patienten der Freitag, in Langnau mit über 900 der Montag. Auf den beiden Notfallstationen arbeiten pro 24-Stunden-Tag total 15 Assistenz- und Kaderärztinnen und -ärzte und 12 bis 16 Notfallpflegende.
Wie das Spital Emmental weiter mitteilt, konnte die durchschnittliche Wartezeit bis zum Eintreffen des Ambulanzfahrzeugs beim Notfall-Patienten gesenkt werden. Dies angeblich dank einem neuen Warteraum im Feuerwehrstützpunkt Kirchberg gesenkt. Bereits letztes Jahr lag die Wartezeit bei Notfall-Einsätzen unter 15 Minuten, «trotz des weitläufigen Versorgungsgebiets von Schangnau bis Zielebach», schreiben die Emmentaler nicht ohne Stolz.
Zudem steht am Standort Langnau seit Anfang September ein neues Ambulanzfahrzeug im Einsatz: Einen Mercedes-Benz 519 mit Allradantrieb.

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