Spitäler stehen punkto Digitalisierung erst am Anfang

«Die Branche hinkt der Digitalisierung deutlich hinterher.» Zu diesem Befund kommt Stefan Lienhard in seiner Masterarbeit am Institute for Digital Business der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ).

, 9. April 2019, 16:20
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Das Spitalwesen in der Schweiz steht ganz am Anfang seiner digitalen Reise, obschon 88 Prozent der befragten Spitäler dem digitalen Wandel in der Spitalbranche eine «sehr hohe Relevanz» attestieren. 
Stefan Lienhard befragte im Rahmen seiner Masterarbeit 208 Spitäler in der Deutschschweiz und führte vier Experteninterviews durch. Er ist seit letztem Jahr Digital Manager bei der Schulthess Klinik in Zürich. 

«In mehr als der Hälfte der Spitäler fehlt eine Digitalstrategie und folglich ein strukturiertes und koordiniertes Vorgehen.»

Die Master-Thesis verfolgt das Ziel, den digitalen Reifegrad der Schweizer Spitäler und Kliniken zu ermitteln und Aussagen zum Fortschritt der Digitalisierung im Spitalwesen zu machen.
«In mehr als der Hälfte der Spitäler fehlt eine Digitalstrategie und folglich ein strukturiertes und koordiniertes Vorgehen», schreibt Lienhard im kürzlich erschienenen Jahrbuch des Institute for Digital Business der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ). 
Interessant ist die Erkenntnis, dass nicht die Universitätsspitäler den höchsten digitalen Reifegrad aufweisen, wie man das annehmen möchte, sondern die Kantonsspitäler. Am schlechtesten schneiden die Alters- und Pflegeheime ab.
Am reifsten sind die Spitäler im Bereich «Informatik & Technologie ICT» aufgestellt, was laut Lienhard Mut für die Zukunft macht, aber nicht wirklich überraschend ist. Akuter Handlungsbedarf besteht dagegen in den Bereichen «Organisation», «Zusammenarbeit», «Digitale Transformation» oder «Prozessdigitalisierung».

«Die Spitäler sind gut beraten, ihre Haltung gegenüber Digital Health zu überdenken und Massnahmen in den verschiedenen digitalen Themenfeldern zu initiieren.»

Lienhard bemängelt, dass die Zuständigkeit für digitale Anliegen mehrheitlich bei der IT-Abteilung statt bei der Geschäftsleitung liege. Immerhin sind aber bereits in 31 Prozent der Fällen die Geschäftsleitung für die Digitalisierung zuständig.
Doch insgesamt entwickelt sich die Digitalisierung in den Kliniken und Spitälern laut Lienhard eher willkürlich, unkoordiniert und daher mehrheitlich schleppend zu entwickeln.
«Die Spitäler sind gut beraten, ihre Haltung gegenüber Digital Health zu überdenken und Massnahmen in den verschiedenen digitalen Themenfeldern zu initiieren», steht im genannten Jahrbuch weiter zu lesen. «Digitalisierung ist mehr als die Umwandlung von analog zu digital». Sie biete die Chance, bestehende Prozesse und Abläufe neu zu gestalten und ebne so den Weg für smarte und effiziente Spitäler 4.0.
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