Gesundheitsbranche beschliesst 38 Spar-Schritte

Vertreter von Spitälern, Ärzteschaft, Kassen, Pharma und Kantonen haben Massnahmen beschlossen, die jährlich 300 Millionen Franken einsparen sollen. Es geht um Verwaltungskosten, ineffiziente Abläufe, smartere Medizin und um Papier.

, 27. Oktober 2025 um 17:59
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Erhebliche Einigkeit: «Runder Tisch» in Bern, 27. Oktober 2025  |  Bild: EDI
Zum dritten Mal trafen sich am Montag wichtige Akteure des Gesundheitswesens am sogenannten Runden Tisch, um Sparmassnahmen zu diskutieren. Unter der Leitung von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider wurde beschlossen, dass insgesamt 38 Massnahmen umgesetzt werden sollen. Das Ziel: Jährlich sollen 300 Millionen Franken an Kosten in der Griundversicherung eingespart werden.
  • Zur gesamten Liste: BAG – «Übersicht Massnahmenpapier Runder Tisch Kostendämpfung», Oktober 2025.
Dieses Ziel hatte das Gremium bereits im November 2024 formuliert. Nun ging es darum, aus Experten-Vorschlägen die konkreten Schritte zu wählen. Beispiele für die beschlossenen Massnahmen sind:
  • Senkung der Verwaltungskosten der Krankenversicherer um 2 Prozent (was eine Einsparung von 40 Millionen bedeutet).
  • Weitere Förderung der Initiative «Smarter Medicine» durch Spitäler und Ärzteschaft.
  • Anpassung der Mittel- und Gegenständeliste in Sachen Mietpreise für CPAP-Geräte.
  • Mehr ambulant vor stationär: Erweiterung der AVOS-Liste.
  • Der Laborverband FAMH und der Spitalverband H+ empfehlen ihren Mitgliedern, auf «fees for service» zu verzichten.
  • Weniger Papierrechnungen: Digitalrechnungen werden zum Standard erklärt.
Insgesamt sollen sich daraus Einsparungen von 303 Millionen Franken ergeben. Und womöglich wird es auch mehr, teilt das Bundesamt für Gesundheit mit, «da bei gewissen Massnahmen keine verlässliche Schätzung möglich war und sie daher nicht in die Berechnungen eingeflossen sind.»
Und: «Keine medizinisch notwendigen und sinnvollen Leistungen werden gekürzt.»

7400 weitere Ideen

Beteiligt an der Runde in Bern waren Vertreterinnen und Vertreter der Kantone (GDK), der Ärzteschaft (FMH), der Spitäler (H+), der Krankenversicherer (Prio.Swiss), der Pharmaindustrie (Scienceindustries), der Patientenorganisationen, der Wissenschaft sowie des Preisüberwachers.
Noch nicht aufgegriffen wurden dabei die Ideen, welche von zahlreichen Privatpersonen eingebracht worden waren. Bekanntlich konnten alle Bürgerinnen und Bürger von Mai bis Juni über eine eigene Website und E-Mail-Adresse Kostendämpfungs-Ideen einreichen.
Dabei gingen 7400 Vorschläge ein, meldet das BAG. Die Expertinnen und Experten des Runden Tischs werden diese Liste in den kommenden Monaten analysieren und daraus konkrete Vorschläge für das Gremium erarbeiten.
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