«Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen»: Es ist ein spezieller
Aufruf, den die Patientenstelle Zürich nun gestartet hat. Wer vor einer Operation aufgefordert wurde, Bargeld direkt an Ärztinnen und Ärzte zu bezahlen, solle dies doch bitte melden.
Die Stelle erhalte immer häufiger entsprechende Meldungen, wobei die Geldforderung auch versehen sei mit der Erklärung, dass der Eingriff sonst nicht oder viel später durchgeführt werden könnte. Betroffene Patientinnen und Patienten können die Vorfälle per Onlineformular oder über eine Telefonnummer schildern; «alle Meldungen werden streng vertraulich behandelt».
Jüngst hatte der Viszeralchirurg Marco Büter in einem
Interview mit den Tamedia-Zeitungen den Fall eines solchen Arztes erwähnt: «Damit er seine Patientinnen und Patienten operierte, mussten sie vor dem Eingriff einen Umschlag mit 8000 oder mehr Franken in bar übergeben.» Die Patienten, die jener Kollege für Zusatzzahlungen zur Kasse bat, hätten nicht gewusst, dass der Chirurg als Belegarzt an einem Spital arbeitete – wo die gleiche Leistung auch als Kassenleistung angeboten wird. Sie hätten von einem anderen Facharzt operiert werden können, ohne dass sie etwas hätten bezahlen müssen.
Marco Büter hat als Präsident der Swiss Society for the Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders solche Vorfälle der Zürcher Gesundheitsdirektion gemeldet. Zugleich betonte er im Interview, dass die meisten Belegärzte seriöse Arbeit leisten und täglich ihr Bestes geben. «Aber es gibt eben einen kleinen Teil, der das System maximal zum eigenen finanziellen Vorteil ausnutzt.»
Braucht es also sogar eine Aktion wie jene der Patientenstelle? Man habe in den letzten Monaten «eine deutliche Zunahme an Meldungen zu Bargeldforderungen vor Operationen» beobachtet, sagt Mario Fasshauer, der Geschäftsführer der Beratungsorganisation. Und weiter: «Die Rückmeldungen betreffen unterschiedliche Fachbereiche und Leistungserbringer.»
Deshalb soll das Bild nun weiter verdichtet werden: «Aktuell lassen sich keine spezifischen Diagnosen oder einzelnen Spitäler isolieren – der Aufruf soll helfen, mögliche Muster künftig besser zu erkennen.»
Bei den Schweizer Patientenstellen seien in den letzten sechs Monaten 32 solche Vorkommnisse gemeldet worden, so Fasshauer im «Tages-Anzeiger». Dabei gäben die Ärzte jeweils an, dass sie sehr beschäftigt seien und ohne Zusatzzahlung erst in sechs Monaten oder gar nicht operieren könnten.