Baselland: Volk stimmt klar für Ärztestopp

Fast zwei Drittel der Stimmberechtigten befürworten eine Obergrenze für gewisse (Spezial-)Arztdisziplinen.

, 22. September 2024 um 22:15
image
War am klarsten gegen einen Ärztestopp: Die kleine Gemeinde Liedertswil im Bezirk Waldenburg  |  Bild: Gemeinde Liedertswil.
Die Stimmberechtigten das Kantons Baselland haben mit 62 Prozent Ja-Stimmen ein revidiertes Gesundheitsgesetz angenommen. Damit machen sie den Weg frei, um Obergrenzen für einzelne ärztliche Disziplinen einzuführen.
Letztlich wird damit eine Bundes-Vorgabe umgesetzt. Im Baselbiet wollte der Regierungsrat die entsprechenden Schritte per Verfügung einführen. Dies zog die Hirslanden-Klinik Birshof vor das Kantonsgericht – und bekam im Frühjahr 2023 Recht: Das Gericht befand, dass eine umfassendere gesetzliche Anpassung nötig sei. Die Revision erreichte dann im Parlament nicht das nötige Quorum; deshalb wurde die Sache nun dem Volk vorgelegt.
Eher ländliche und stadtferne Ortschaften lehnten den Ärztestopp eher ab, während die – oft grösseren – Gemeinden in der Nähe von Basel klar Ja sagten.

«Mit Augenmass»

Die Ärztegesellschaft Baselland hatte gegen die Revision angekämpft: Der geplante Stopp führe zu einer medizinischen Unterversorgung im Kanton, warnte sie. Obendrein erfolge die Revision ohne gesicherte Datengrundlage sowie zur Unzeit – denn es sei momentan nicht absehbar, welche Folgen Reformen wie Tardoc und Efas auf die Versorgung haben werden.
Hirslanden wehrte sich seinerzeit gegen den geplanten Zulassungsstopp für Ärztinnen und Ärzte in acht Fachgebieten, weil damit «massiv in die Wirtschaftsfreiheit der Ärzteschaft» eingegriffen werde. Der Birshof ist eine Belegarzt-Klinik, die auf Orthopädie und Traumatologie spezialisiert ist.
Tatsächlich dürften inzwischen nicht mehr alle acht ursprünglich anvisierten Fachrichtungen unters Fallbeil des Ärztestopps fallen – die da waren: Anästhesiologie, HNO, Kardiologie, Neurologie, Ophthalmologie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Radiologie sowie Urologie. Es treffe wohl lediglich zwei bis fünf, sagte der kantonale Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan kürzlich in einem Interview mit der «BZ Basel». «Und: Wir wollen die Vorlage mit Augenmass umsetzen.»
  • Ärztestopp
  • Gesundheitskosten
  • politik
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Gesundheitsdirektion zeigt Spital Wetzikon erneut die kalte Schulter

Das Spital Wetzikon ist mit seinem Antrag auf eine Kantonsgarantie erneut gescheitert. Bereits 2024 hatte die Gesundheitsdirektion eine Unterstützung abgelehnt. Nun liegt der Ball beim Gesamtregierungsrat.

image

«Das System ist falsch. Darum geht es.»

Tarifentscheide des Bundesrates sind kaum anfechtbar. Für FMCH-Präsident Michele Genoni ist das ein rechtsstaatliches Problem – mit ernsthaften Folgen für die Gesundheitsversorgung. Das Interview.

image

US-Preisverhandlungen: Diese 15 Medikamente sind nun im Visier

Das Medicare-Programm überprüft erneut die Preise teurer Medikamente. Ziel ist, die Kosten für US-Patienten zu senken. Womit nebenbei auch der Schweizer Markt unter Druck kommen könnte.

image

Bundesrat will bei Spitalplanung nicht eingreifen

Der Bund enttäuscht Gesundheitspolitiker: Er will die Spitalplanung weiterhin den Kantonen überlassen. Obwohl es ganz offensichtlich «Optimierungspotenzial» gibt.

image

Kommission bremst Forderung zu tieferen Medikamentenpreisen

Die Forderung des Kantons Jura nach wirksamen Instrumenten gegen steigende Medikamentenpreise droht zu scheitern.

image

Prioswiss gegen neue Basler Spitallisten: «Falscher Ansatz»

Die Basler Regierungsräte Lukas Engelberger und Thomi Jourdan wollen nur noch «koordinierte» Spitallisten einführen. Krankenkassen und Spitäler warnen vor eingeschränkter Wahlfreiheit und steigenden Kosten.

Vom gleichen Autor

image

KI macht den Blick frei für die Patienten

Weniger Maus, weniger Bildschirm: Eine USZ-Studie zeigt, wie KI-gestützte Dokumentation den Ärzten Zeit spart – und den Kontakt zu den Patienten verbessert.

image

Swica startet einen «Expert Finder»

Die Krankenkasse hat ein digitales Verzeichnis für Gesundheits-Anbieter entwickelt. Die Plattform kombiniert Arztsuche, Spitalverzeichnis und einen Filter nach Versicherungsdeckung.

image

Trend zum Zweitage-Wochenbett erreicht auch Sursee

Viele Frauen wünschten sich eine rasche Rückkehr in die vertraute Umgebung: Deshalb wird nun auch im Spital Sursee nach unkomplizierten Geburten ein Austritt nach zwei Nächten angestrebt.