Das sind die Trümpfe der neuen Insel-Direktorin

Jennifer Diedler, die künftige Chefin der Insel Gruppe, ist Ärztin. Sie weiss aber auch, wie man ein Spital führt. Es spricht viel dafür, dass sie eine gute Wahl ist.

, 23. April 2025 um 07:01
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Jennifer Diedler einer Jubilarfeier für langjährige Angestellten des Uniklinikums Saarland | Bild: UKS/Christian Schütz
Es dauerte fast ein Jahr, bis sich die Insel Gruppe für eine neue Führung entschieden hat. Doch nun scheint der Verwaltungsrat eine gute Wahl getroffen zu haben: Jennifer Diedler, 47, wird 2026 die neue Direktionspräsidentin der Insel. Sie führt derzeit noch das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) als ärztliche Direktorin.
Die Medizin-Professorin Jennifer Diedler bringt drei entscheidende Vorteile mit nach Bern:
1. Sie ist Ärztin. Jennifer Diedler ist Fachärztin für Neurologie und verfügt über eine intensivmedizinische Zusatzqualifikation. Sie weiss also, was und wie im Inselspital gearbeitet wird. Claudio Bassetti, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern, ist überzeugt, dass Universitätsspitäler von Ärztinnen und Ärzten geleitet werden sollten. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht: Das Unispital Basel wählte mit Rakesh Padiyath zwar jüngst ebenfalls einen Chirurgen an die operative Spitze; derweil durchliefen die Direktoren der Unispitäler von Zürich (Monika Jänicke), Lausanne (Claire Charmet) und Genf (Robert Mardini) andere Ausbildungen.
2. Sie hat betriebswirtschaftliches Verständnis. Jennifer Diedler arbeitete während zwei Jahren als Beraterin bei der Boston Consulting Group mit Schwerpunkt Klinikrestrukturierung. Und sie war stellvertretende Geschäftsführerin am Universitätsklinikum Tübingen. Sie weiss also nicht nur über Patienten und Krankheiten Bescheid. Das ist wichtig – denn die Insel-Gruppe kämpft mit den roten Zahlen. Sie hat 2024 einen Verlust von 24 Millionen Franken gemacht.
3. Sie ist beliebt. Jennifer Diedler ist eine beliebte Chefin. Das Uniklinikum Saarland bedauert, dass sie sie verliert. Sie habe das Spital in den letzten vier Jahren massgeblich geprägt, schreibt die «Saarbrücker Zeitung» und fragt sich, wie es mit dem Spital nun weitergehe. Im Uniklinikum war sie die erste Frau an der Spitze.
4. Und die Digital-Erfahrung? Jennifer Diedler wird im Saarland zwar dafür gelobt, dass sie das Uniklinikum «als Vorreiter in der digitalen Medizin» etabliert habe. Doch im Vergleich zur Insel Gruppe, die vor einem Jahr die amerikanische Klinik-Informatik Epic eingeführt hat, ist das UKS noch wenig digitalisiert. Jennifer Diedler war allerdings massgeblich daran beteiligt, dass sich im Saarland zwölf Spitäler gemeinsam mit dem Uniklinikum zum Aufbau eines Patientenportals zusammengeschlossen haben. Dieses kann aber frühestens Ende Jahr eingeführt werden.

Neue Betriebskultur

Die Chancen stehen gut, dass in der Insel-Gruppe eine neue Betriebskultur Einzug hält. Im Mai 2024 entliess der Verwaltungsrat Direktor Uwe E. Jocham. Er und sein Stellverteter Urs Mosimann standen wegen ihrer Betriebskultur in der Kritik. Interimistisch übernahm Christian Leumann die Leitung der Insel-Gruppe. Er wird das Amt noch bis Ende Jahr ausüben.
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