Keine Journalisten im Arztkittel im Spital Wallis

So dreist sind Medienschaffende nicht: Gerüchte, wonach Journalisten in weissen Kitteln versucht hätten, Zugang zu Patienten zu erhalten, erweisen sich als unwahr.

, 7. Januar 2026 um 09:25
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Das Spital Sitten: Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hatte das Spital innert kürzester Zeit 60 Verletzte zu betreuen.
Eric Bonvin, Generaldirektor des Spitals Wallis, stellt auf Instagram klar: Im Spital Sitten hätten keine Journalisten unter falscher Identität versucht, Zugang zu Patienten zu erhalten, die bei der Brand-Katastrophe in Crans-Montana verletzt worden sind.
Zu dieser Richtigstellung sah sich das Spital gedrängt, weil Eric Bonvin in einem Interview mit der «Sonntags-Zeitung» sagte: «Auch dieses Mal versuchten Journalisten in weissen Kitteln in die Zimmer zu schlüpfen, um Patienten zu interviewen.»
Dieser Satz hat zu grossen Diskussionen und harschen Kommentaren in den Medien geführt. Auch der Schweizer Presserat, die Selbstregulierungs-Instanz für medienethische Fragen in der Schweiz, publizierte mahnende Worte: Er weist «die Medienschaffenden eindringlich darauf hin, bei der Berichterstattung die Privatsphäre der Opfer und deren Angehörigen zu respektieren. Die Opfer der Brandkatastrophe sind keine Personen des öffentlichen Interesses.»

«Gilt für Busunfall von Siders im Jahr 2012»

Nun korrigiert das Spital Sitten – und auch die «Sonntags-Zeitung» die Darstellung: Die Episode mit den Journalisten in weissen Kitteln habe sich auf den Busunfall von Siders im Jahr 2012 bezogen.

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Die Korrektur der «Sonntags-Zeitung»

«Nur ein Grenzfall»

Zum aktuellen Unglück teilt das Spital mit: «In den letzten Tagen gab es nur einen einzigen Grenzfall: Ein Journalist versuchte in Begleitung eines Angehörigen eines Patienten, eine Spitalabteilung zu betreten.»
Eric Bonvin betont: «Es gab weder Identitätsbetrug noch unangemessenes Verhalten, wie dies angedeutet wurde.» Weiter erklärt er, dass bestimmte Informationen «sehr schnell weitergegeben oder verzerrt werden, insbesondere in sozialen Netzwerken».

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Die Klarstellung des Spitals auf Instagram.

Und dann folgt eine Entschuldigung bei den Medienschaffenden: «Ich möchte betonen, dass unsere Beziehungen zu den Medien sehr gut sind und in einem Klima des gegenseitigen Respekts stattfinden. Transparenz ist unerlässlich, und es erschien mir wichtig, die Fakten richtigzustellen.»

Zuerst 60 Verletzte - nun noch 11 im Spital Sitten

Nach der Brandkatastrophe hatte das Spital Sitten innert kürzester Zeit 60 Verletzte zu betreuen. Letzten Sonntag hatte das Spital noch elf dieser Patienten, hauptsächlich auf der Intensivstation.
Der erste grosse Ansturm sei vorbei, sagte Eric Bonvion gegenüber der «Sonntags-Zeitung». «Viele werden aber in etwa einem Monat zur Nachbehandlung und Rehabilitation zu uns zurückkehren, weil die meisten Opfer aus dem Wallis stammen.»
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