Das Kantonsspital Glarus muss bleiben – doch es muss kleiner werden

Der Glarner Gesundheitsdirektor sagt voraus, dass das KSGL sein Angebot von Grund überprüfen wird.

, 30. November 2023 um 05:51
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«Geschickt organisieren»: Benjamin Mühlemann (FDP), Gesundheitsdirektor und KSGL-Verwaltungsrat |  Bild: PD GL
Das Kantonsspital bleibt: Das ist für den Glarner Gesundheitsdirektor «völlig klar»: «Wir wollen ein Spital im Glarnerland behalten. Und dieses hat auch eine Zukunft, wenn wir uns geschickt organisieren», sagte Benjamin Mühlemann in einem Interview mit der «Südostschweiz».
Doch klar wird nach den Äusserungen des Regierungsrats auch, dass das Kantonsspital am Ende kleiner sein wird: «Der Trend 'ambulant vor stationär' ist nachhaltig, das Einzugsgebiet, um neue Patientinnen und Patienten zu gewinnen, beschränkt. Darum wird man in Zukunft weniger Spitalbetten brauchen.»
Landammann Mühlemann sah sich zum Interview veranlasst, nachdem die KSGL-Direktion die Angestellten am 24. November über einen drohenden Stellenabbau informiert hatte: Man sei in einer schwierigen finanziellen Lage – denn einerseits sei die Patientenzahl gesunken, andererseits seien die Lohnkosten gewachsen. Genauere Informationen sollen bis spätestens 19. Dezember folgen.
«Niemand konnte damit rechnen, dass dieser Einbruch so schnell kommen würde.»
Dass unlängst noch die Löhne im Spital erhöht wurden, während bald aus Kostengründen Stellen abgebaut werden müssen – dies ist laut dem obersten Aufseher des KSGL kein Widerspruch: Ein negatives Budget für 2023 war vorgesehen, so Mühlemann. Und es gab auch einen Plan, wie die Mehrkosten aufzufangen wären. Doch dann brachen die stationären Fallzahlen ein – «und jetzt fehlen fast vier Millionen Franken Umsatz. Niemand konnte damit rechnen, dass dieser Einbruch so schnell kommen würde.»

Katalog überprüfen

Nun sei es an der Zeit, den Leistungskatalog und die gemeinwirtschaftlichen Leistungen zu überprüfen. «Das heisst, dass das Kantonsspital mehr Geld verlangen könnte für Leistungen, die nicht kostendeckend sind und die es aus regionalpolitischen Gründen anbieten muss beziehungsweise soll.» Als Beispiele solcher Gemein-Leistungen erwähnte der Glarner Gesundheitsdirektor – der auch im KSGL-Verwaltungsrat sitzt – die Geburtshilfe (derzeit 1,4 Millionen Franken Kantonsbeitrag), die Intensivpflegestation (360'000 Franken), den Rettungsdienst (1,3 Millionen) oder ärztliche Weiterbildungen (fast 1 Million).
Und hier werde es politisch: «Was wollen und können wir uns als Glarnerinnen und Glarner zu welchem Preis direkt vor der Haustüre leisten?» Das Kantonsspital werde sich nun wohl frisch ausrichten und noch stärker mit anderen Spitälern zusammenarbeiten müssen.

SBK kommentiert zurückhaltend

Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer SBK nennt die Sozialpartnerschaft mit dem KSGL in einer ersten Reaktion «transparent und zuverlässig». Bei einem Stellenabbau sei es für den SBK klar, «dass es einen Sozialplan, der mit unserem Berufsverband zu verhandeln ist, geben muss.» Doch solch ein Sozialplan könne erst verhandelt werden, wenn Klarheit herrscht über Entlassungen. «Das ist zurzeit nicht der Fall.»
Spitaldirektorin Stephanie Hackethal hatte das Personal in einem Brief über die schwierige Lage informiert: Man erwarte für 2023 ein Defizit um 13 Millionen Franken. Gründe liegen im Wegfall von Sondereinnahmen durch Covid, bei sinkenden stationären Fällen, bei Lohnerhöhungen sowie der Teuerung.
Das Management prüft nun Massnahmen wie Investitionsstopp, Kapazitätsabbau und verstärkte Kooperationen im Gesundheitswesen. Aber auch Entlassungen seien unvermeidlich, da die normale Fluktuation nicht ausreiche.

Defizit war kalkuliert

Das KSGL beschäftigt knapp 700 Personen. Im vorletzten Jahr hatte es die Personalkosten um 1,85 Millionen Franken erhöht – auch angesichts des Fachkräftemangels –, im laufenden Jahr folgte eine weitere Steigerung von 1,5 Millionen. Insgesamt stieg die Lohnsumme um 7,7 Prozent: Bei der Pflege betrug die Erhöhung 14 Prozent der Lohnsumme, bei der Nicht-Pflege 3,8 Prozent.
Daher kündigte die Spitalleitung bereits im Frühjahr 2023 an, dass man für zwei Jahre mit negativen Jahresabschlüssen rechne. Ohne die Lohn-Massnahmen wäre jedoch der prognostizierte Schaden «noch weit grösser», so die Mitteilung damals.

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