Weniger Schlaganfälle dank dem schlauen Auto

Deutsche Wissenschaftler verwandeln das Automobil in ein Diagnose-Vehikel.

, 11. November 2024 um 03:37
letzte Aktualisierung: 1. September 2025 um 07:02
image
Objekt für eine Medtech-Messe: Das Testgefährt des Peter L. Reichertz Institute for Medical Informatics  |  Bild: PD
Das Automobil als Präventions-Gefährt – das plant ein Team der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover. An der letzten Medica, der grossen Medtech-Messe in Düsseldorf, stellten die Wissenschaftler einen «Smart Car» vor, der mit Sensoren im Fahrgastraum sowohl EKG als auch Herz- und Atemfrequenz stetig misst.
Dabei erkennt der Sicherheitsgurt die Herztöne. Eine Kamera im Innenraum scannt das Gesicht des Fahrers und berechnet Herzschlag und Atemfrequenz. Im Sitz misst ein Sensor die Körpertemperatur. Und schliesslich montierten die Forscher Sensoren ins Lenkrad, um ein EKG über die Hände aufzuzeichnen.
Am Ende werden alle erfassten Werte durch eine KI kombiniert beziehungsweise analysiert.
image
Bild: PLRI / TU Braunschweig
Die Idee dabei: Pro Tag verbringen die Menschen in Deutschland durchschnittlich fast eine Dreiviertel Stunde im Auto. Zugleich böte eine stetige Gesundheits-Überwachung viele Chancen für die Früherkennung von kardiovaskulären Risiken. «Daher ist es sinnvoll, medizinische Untersuchungen in unsere tägliche Mobilität zu integrieren», sagt Thomas Deserno vom Peter L. Reichertz Institute for Medical Informatics der TU Braunschweig.

Abends ein Mail aus dem Auto

Über einen längeren Zeitraum kann das System ein Gesundheitsprofil des Fahrers oder der Fahrerin erarbeiten. Dieses ermöglicht es, kleine, aber kontinuierliche Änderungen früh zu erkennen, beispielsweise Unregelmässigkeiten beim Herzschlag. Denn rund ein Drittel aller Schlaganfälle werden durch Vorhofflimmern ausgelöst. «Unser Ziel ist es, Trendveränderungen und Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und so präventiv zu wirken», sagt Thomas Deserno.
Die Forscher aus Niedersachsen sichten noch einen weiteren Vorteil der Auto-Messungen: Die Werte werden hier zu verschiedenen Tageszeiten erhoben – doch sie haben zugleich oft eine gewisse Regelmässigkeit.
Allerdings sollen die Fahrer auch nicht abgelenkt werden. Deshalb soll das System – so das Projekt – jeweils am Abend eine Auswertung der Daten per Email nach Hause senden und dabei allenfalls auf Auffälligkeiten hinweisen.
Mehr / Quelle

  • Für weitere News aus der medizinischen Forschung besuchen Sie gern auch «med-report».

Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Patienten wollen mehr mitreden – und gründen Dachorganisation

Ein neuer Verein soll Patienten und Patientinnen mehr an der Entwicklung des Gesundheitswesens beteiligen. Die Schweiz hinke nach, heisst es bei Swiss PPIE Network.

image

Was unsere Fingernägel über unsere Ernährung verraten

Eine Studie der Hochschule Fulda zeigt erstmals im Detail, wie zuverlässig Mineralstoffmuster in Nägeln den Ernährungsstil abbilden können.

image

Hospital-at-Home kommt ans linke Zürichseeufer

Ab sofort können Patienten am linken Zürichseeufer über das See-Spital Horgen, die Hospital at Home AG und die Spitex Horgen-Oberrieden zu Hause statt im Spital behandelt werden.

image

Diese 29 Erfindungen machen die Medizin smarter

Das US-Magazin «Time» kürte die wichtigsten Innovationen des Jahres aus dem Gesundheitswesen. Die Auswahl zeigt: Fortschritt in der Medizin bedeutet heute vor allem neue Schnittstellen zwischen Mensch, Maschine und Methode.

image

KSGR: Frauenklinik führt 4-Tage-Woche ein

Die Frauenklinik Fontana des Kantonsspitals Graubünden führt eine 4-Tage-Woche ein: 42 Stunden werden auf vier Tage verteilt, das Gehalt bleibt unverändert. Andere Spitäler sehen das Modell skeptisch.

image

Reha digital meistern

Wie Schweizer Rehabilitationskliniken komplexe Herausforderungen erfolgreich bewältigen.

Vom gleichen Autor

image

Pflege bleibt Engpassberuf Nummer eins


Kaum ein Bereich sucht so intensiv nach Personal wie das Gesundheitswesen. Der neue Jobradar zeigt: Vor allem in der Pflege steigt die Zahl offener Stellen wieder in Richtung Rekordniveau.

image

Umbau beim SIWF – doch die Wartezeiten bleiben lang

Das Weiterbildungs-Institut trennt sich nun auch von Geschäftsführer Jörg Gröbli. Trotz mehr Personal und IT-Unterstützung beträgt die Bearbeitungsdauer für Facharzttitel beim SIWF weiterhin rund zwölf Monate.

image

Pflegeinitiative: Widerstand im Parlament – SBK empört

Die Gesundheitskommission des Nationalrats tritt bei der Umsetzung der Pflegeinitiative auf die Bremse. Höchstarbeitszeit, Normalarbeitszeit und Lohnzuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sollen weitgehend unverändert bleiben