Spitex: «Book a Doc» soll unnötige Spitaleinweisungen verhindern

Die Spitex Limmat Aare Reuss setzt neu auf Telemedizin: Mit «Book a Doc» können die Pflegefachpersonen ärztliche Beratung direkt in die Wohnungen von Klienten holen.

, 6. Januar 2026 um 15:14
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Projektleiterin Katharina Luzi, Fachverantwortliche Entwicklung und Pflegeexpertin MScN (APN) bei Spitex LAR. Bild: zvg
Die Telemedizin-Dienstleistung «Book a Doc» von Medgate gibt es bereits seit 2022. Über das Programm können Ärztinnen und Ärzte etwa in Apotheken aufgeschaltet werden, um Kunden vor Ort zusätzlich zu betreuen.
Neu setzten nun auch die Spitex Limmat Aare Reuss und die private Spitex CareOne auf das Telemedizin-Angebot. In einem Pilotprojekt können Pflegefachpersonen bei Einsätzen direkt in der Wohnung der Klienten einschätzen, ob eine ärztliche Konsultation nötig ist – und bei Bedarf eine telemedizinische Konsultation bei Medgate buchen.
«Das Projekt ist ein Novum für uns», erklärt Projektleiterin Katharina Luzi im «Spitex Magazin»: «Bisher arbeiteten wir vor allem mit den umliegenden Spitälern und Grundversorgerpraxen zusammen. ‚Book a Doc‘ ermöglicht uns erstmals, ärztliche Abklärungen direkt in die Wohnungen unserer Klienten zu bringen.»
Die Telemed-Rückhalt soll vor allem bei Randzeiten unterstützen und unnötige Spitaleinweisungen zu vermeiden helfen.
So funktioniert «Book a Doc» bei der Spitex:
  • Nach einer Buchung bei Medgate ruft ein Arzt zeitnah zurück.
  • Es  folgen Anamnese und Untersuchung durch Ärztin oder Arzt mit Unterstützung einer Pflegefachperson, die als Superuser fungiert.
  • Zum Einsatz kommt dabei ein Sensorikgerät, das durch die Pflegefachpersonen vor Ort bedient wird.
  • Kommt der Medgate-Arzt und die vor Ort anwesende Pflegefachperson zum Schluss, dass eine Hospitalisation angezeigt ist, so entscheidet das Team in Absprache mit der Klientin über einen möglichen Spitaleintritt.
  • Das Sensorikgerät ermöglicht diverse Messungen: Sobald eine Konsultation gebucht und die relevanten Daten in «Book a Doc» übertragen wurden, kann die Pflegefachperson Vitalwerte erfassen, darunter Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung.
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Sensorikgerät

Finanziert werden die telemedizinischen Konsultationen als reguläre ärztliche Konsultation via Tardoc. Die durch das Projekt entstandenen Mehraufwände werden durch eine Projektfinanzierung des Kantons Aargau mitfinanziert. Ziel dieses Projekts seien selbsttragende Konsultationen sowie eine flächendeckende Umsetzung dieses Angebots im gesamten Kanton Aargau. Ob das realisierbar ist, werde sich im Verlauf des Projekts zeigen, sagt Katharina Luzi.
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