Spital Oberengadin benötigt dringend Finanzspritze

Letztes Jahr erlitt die SGO einen Verlust von mehr als 5 Millionen Franken. Nun beantragt sie bei den Trägergemeinden einen Nachtragskredit.

, 19. Februar 2024 um 23:01
image
«Weite Transportwege»: Das Oberengadin mit Samedan im Vordergrund |  Bild: © Schweizer Luftwaffe, veröffentlicht via «Luftbilder der Schweiz».
Der Stiftungsrat der Stiftung Gesundheit Oberengadin (SGO) beantragt bei den Trägergemeinden einen Nachtragskredit in Höhe von fünf Millionen Franken. So gross war auch der Verlust, den die Organisation um das Spital Oberengadin im letzten Jahr erlitt.
Erklärt wird die Notlage mit der bekannten Schere zwischen steigenden Kosten und starren Tarifen. «Hinzu kamen wegfallende Covid-Sondereffekte, die fortschreitende Ambulantisierung, geringere Abgeltungen gemeinwirtschaftlicher Leistungen durch den Kanton sowie Abschreibungen und hohe Zinskosten im Zusammenhang mit der kürzlich abgeschlossenen Gesamtsanierung des Spitals», so die Mitteilung des Stiftungsrates.
Im Oberengadin zeigt sich sehr konkret, wie schwierig der Spagat ist zwischen erstens der Tarifrealität, zweitens der Kostenrealität und drittens dem Bedürfnis einer umfassenden Versorgung in eher abgelegenen Gebieten.

Teil der Tourismusregion

Das Regionalspital in Samedan bietet Grund- und Notfallversorgung und muss die entsprechenden Vorhalteleistungen für ein Notfallzentrum, eine Geburts- und Kinderklinik und eine Intensivpflegestation erbringen.
Obendrein ist es saisonalen Schwankungen ausgesetzt: Die Zahl potenzieller Patienten schwankt je nach Ferienlage zwischen 20'000 und mehr als 100'000.
«Das Leistungsangebot des Spitals stellt einen integralen Bestandteil der Infrastruktur dar, wie sie für unsere Tourismusregion wünschenswert – wenn nicht sogar überlebenswichtig – ist, denn die topographisch abgeschiedene Lage des Engadins bedeutet weite Transportwege bis ins nächste Zentrumsspital, und diese sind wetterbedingt nicht immer gesichert»: So argumentiert Gian A. Melcher, der Verwaltungsrats-Präsident der SGO.
All dies könne aber im «aktuellen wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Umfeld» nicht nachhaltig finanziert werden.
Dabei machen die Spitalmanager wenig Hoffnung auf eine baldige Erholung: Der finanzielle Ausblick bleibe «düster». «Die strukturellen Herausforderungen dürften auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben.»
Bereits im Januar hatte Melcher angekündigt, dass er auch für 2024 mit einem Defizit rechne.

«Ernsthaft gefährdet»

Inzwischen wurde also bei den elf Trägergemeinden beantragt, 5 Millionen Franken nachzuschiessen. «Diese Zwischenfinanzierung ist notwendig, um den Betrieb zu sichern», sagt Stiftungsratspräsident Christian Brantschen.
Die SGO sei im Rahmen der Kreditfinanzierung durch die Geldgeber zu einem Eigenfinanzierungsgrad von mindestens 50 Prozent verpflichtet. Diesen Wert erreicht sie nur durch zusätzliche Mittel von den Trägergemeinden. Ansonsten könnten Kredite nicht mehr bedient werden: «Die Liquidität würde zum Problem und die Fortführung der Unternehmenstätigkeit des Spitals Oberengadin wäre ernsthaft gefährdet.»
Der Entscheid in den einzelnen Gemeindeorganen sei bis im Juni nötig.
Zugleich will die SGO auch die längerfristige strategische Ausrichtung des Spitals überprüfen. Dazu hat der Stiftungsrat bereits einen Lenkungsausschuss eingesetzt, der das Angebot analysiert und Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Spitälern prüft.
«Das Oberengadin kommt zudem nicht um die Frage herum, wie die wohnortsnahe Gesundheitsversorgung in Zukunft aussehen soll – und wie viel man sie sich kosten lassen will», sagt Stiftungsratspräsident Brantschen.

  • spital
  • Spitalkrise
  • Spital Samedan
  • Regionalspitäler
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

GZO Spital Wetzikon: «Wir können es machen. Es wird einfach ein bisschen enger»

Fast alle Trägergemeinden sagen klar Ja zu einem Rettungs-Beitrag für das notleidende Regionalspital in Wetzikon. Doch es gibt eine Ausnahme. Was bedeutet das?

image

Weniger Regionalpolitik, mehr Tech: Wie das Spital neu gedacht werden soll

H+ will das Ende von Spitaltraditionen. Mit einer PwC-Studie skizziert der Verband ein Krankenhaussystem, das sich von regionaler Politik und bisheriger Planung verabschiedet – und zehntausende Stellen einspart.

image

Spitäler halbieren Verlust – aber zwei Drittel bleiben im Minus

2024 reduzierten die Schweizer Spitäler ihren Verlust – nach 777 Millionen Franken im Vorjahr waren es nun 347 Millionen. Aber immer noch schreiben fast zwei Drittel der öffentlichen Kliniken rote Zahlen. Die Zahl der Ärzte stieg stärker als jene des Pflegepersonals.

image

GZO Spital Wetzikon: Querschüsse vor der Abstimmung

Offenbar kritisiert die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli kurz vor der Abstimmung mangelnde Transparenz der Spitalleitung und bekräftigt: Unterstützung vom Kanton gibt es nicht.

image

Freiburger Spital: Neues Tarifsystem belastet Budget

Die Kantonsspitalgruppe HFR rechnet im kommenden Jahr mit einem Defizit von 25,6 Millionen Franken.

image

Neue Zuversicht bei Gesundheit Mittelbünden

Nächstes Jahr soll das Defizit um etwa ein Drittel kleiner sein als in diesem Jahr. Die Personalfluktuation sank deutlich. Die Massnahmen des Frühjahrs zeigten bereits Wirkung.

Vom gleichen Autor

image

Affidea expandiert weiter – Übernahme einer Laborgruppe

Der Gesundheitskonzern kauft die Mehrheit von LabPoint – und plant dabei auch eine strategische Partnerschaft mit der Lindenhofgruppe.

image

Pflege bleibt Engpassberuf Nummer eins


Kaum ein Bereich sucht so intensiv nach Personal wie das Gesundheitswesen. Der neue Jobradar zeigt: Vor allem in der Pflege steigt die Zahl offener Stellen wieder in Richtung Rekordniveau.

image

Umbau beim SIWF – doch die Wartezeiten bleiben lang

Das Weiterbildungs-Institut trennt sich nun auch von Geschäftsführer Jörg Gröbli. Trotz mehr Personal und IT-Unterstützung beträgt die Bearbeitungsdauer für Facharzttitel beim SIWF weiterhin rund zwölf Monate.