Salz: Wie viel ist wirklich gesund?

Hoher Salzkonsum wird mit hohem Blutdruck und Herz-Kreislaufkrankheiten in Verbindung gebracht. Nun zeigt eine breit angelegte Untersuchung, dass ein tiefer Salzkonsum genauso viele Risiken birgt.

, 24. Mai 2016, 07:22
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Salz im Übermass kann zu Bluthochdruck und folglich zu einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislaufkrankheiten führen. So steht es wörtlich in der Salzstrategie des Bundes. Der Befund deckt sich mit internationalen Expertenmeinungen. 
Entsprechend setzen Behörden und Spezialisten alles daran, den Salzkonsum der Bevölkerung zu drosseln. Mit einem durchschnittlichen Konsum von rund 8 Gramm pro Person und Tag liegt die schweizerische Bevölkerung deutlich über den von der World Health Organization (WHO) empfohlenen 5 Gramm pro Tag. Die WHO-Empfehlung entspricht etwa einem Teelöffel Salz pro Tag. 

Studie differenziert

Gestützt auf eine breit angelegte Studie, legen nun Forscher der Michael G. DeGroote School of Medicine der McMaster University in Kanada nahe, dass nur Menschen mit hohem Blutdruck und hohem Salzkonsum diesen reduzieren sollten. Für die anderen bringt ein tiefer Salzkonsum mehr Risiken als Nutzen. 
Zudem halten sie die Empfehlungen der WHO betreffend Salzkonsum für zu tief. Die Studie wurde im Fachjournal «The Lancet» veröffentlicht. 
Andrew Mente et al.: «Associations of urinary sodium excretion with cardiovascular events in individuals with and without hypertension: a pooled analysis of data from four studies» in: «The Lancet», 20. Mai 2016

Daten von 130'000 Menschen analysiert

Bringt die Reduktion des Salzkonsums auf das empfohlene Niveau wirklich den gewünschten Effekt? Dieser Frage ging der Epidemiologe Andrew Mente mit seinem Team nach.
Analysiert wurden die Daten von über 130'000 Menschen in 49 Ländern. Die Wissenschaftler verglichen die Salzeinnahme mit dem Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen in Gruppen mit hohem und normalem Blutdruck. 
Dabei zeigte sich: Verglichen mit den Menschen mit einer durchschnittlichen Salzeinnahme, hatten die Menschen mit einem tiefen Salzkonsum häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Tod, und zwar unabhängig davon, ob die Teilnehmer hohen Blutdruck hatten oder nicht.  

Salzkonsum nur in bestimmten Fällen drosseln

Für Mente sind die Erkenntnisse «extrem wichtig». Denn sie zeigten, dass eine Reduktion des Salzkonsums nur für Menschen mit hohem Blutdruck und einem hohen Salzkonsum sinnvoll ist. Allerdings sollte der Salzkonsum auch bei ihnen nicht zu stark gedrosselt werden. 
Mente schlägt Behörden und Ernährungswissenschaftlern vor, ihre Empfehlungen entsprechend auf die Menschen mit Bluthochdruck anzupassen.
Siehe auch: 

  • «Leise rieselt das Salz» - Gespräch mit Reinhard Imoberdorf, Chefarzt Klinik für Innere Medizin, und Maya Rühlin, Leiterin Ernährungstherapie/-beratung Kantonsspital Winterthur / «KSW Report»
  • «Low salt intake may raise risk of heart and death» - in «Medicalnewstoday»

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