Diese Studie dämpft mHealth-Hype

Eine Commonwealth-Studie der Universität Michigan zeigt: Die Mehrheit der mHealth-Apps sind für Patienten «begrenzt nützlich».

, 25. Februar 2016, 10:53
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Viele Gesundheits-Profis stecken hohe Erwartungen in mobile Anwendungen. Eine aktuelle Studie aus den USA dürfte diese Zuversicht etwas dämpfen.
Ein Forscherteam um Karandeep Singh von der University of Michigan Medical School analysierte systematisch über 1’000 englischsprachige Gesundheits-Apps – 376 Apps im Apple iTunes Store und 569 Anwendungen im Android Google Play Store.
Das Hauptaugenmerk richteten die Forscher auf Programme, die an Patienten mit insgesamt 26 chronischen Krankheiten gerichtet sind – weil diese für das Gesundheitssystem die höchsten Kosten verursachen. Zu den erfassten Befunden zählen Arthritis, Asthma, Krebs, Lungenerkrankung, Herzkrankheit, Demenz, Depression, Diabetes oder Bluthochdruck.
K. Singh, K. Drouin, L. P. Newmark et al., «Developing a Framework for Evaluating the Patient Engagement, Quality, and Safety of Mobile Health Applications». The Commonwealth Fund, February 2016.
Die Wissenschaftler beurteilten die Apps nach Zweckmässigkeit (Patient Engagement Value). Kriterien waren dabei unter anderem: Beschreibung, Relevanz, Rezensionen, Bewertung, Benutzeraktivität, Einbindung in soziale Netzwerke, Verhaltensänderung, Belohnungen, Screenshots oder Datum des letzten Updates.
Das Ergebnis der vom amerikanischen «Commonwealth Fund» finanzierten Studie ist ernüchternd:
  • Nur 43 Prozent (161) der iOS-Apps und 27 Prozent (152) der Android-Apps sind für den Patienten «möglicherweise nützlich» (possibly useful). 126 Anwendungen gibt es auf beiden Plattformen.
  • 90 Android-Programme beurteilten die Forscher frei übersetzt als «begrenzt nützlich» (limited engagement). Bei iOS waren es 25.
  • 200 Android-Apps (35 Prozent) wurden zuletzt vor 2014 aktualisiert. Bei iOS waren es 63 (17 Prozent).

Framework in Arbeit

Nur ein Teil der untersuchten Apps sei – trotz des enormen Potenzials – nützlich für den Patienten, folgern die Studienautoren. Singh und sein Team bezeichnen dies als «beunruhigend». 
Die Wissenschaftler wollen nun in einem nächsten Schritt zusammen mit klinischen Profis ein «Framework» für die Beurteilung von Gesundheits-Apps entwickeln. Eine Rolle spielen dabei Kriterien wie Patienten-Einbezug, Qualität, Sicherheit und Funktionalität. 
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