«Spitalrose»: Hôpital du Jura als fortschrittlicher Arbeitgeber ausgezeichnet

Weniger Bürokratie, Kompensation aller Überstunden: Im Hôpital du Jura haben sich die Arbeitsbedingungen für junge Ärzte grundlegend verbessert. Dafür wird es vom Berufsverband VSAO geehrt.

, 28. Juni 2018, 10:54
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In vielen Spitälern wird die gesetzliche Höchstarbeitszeit von wöchentlich 50 Stunden für Assistenz- und Oberärzte regelmässig überschritten. Ausserdem wird Überzeit häufig nicht erfasst. Dies belegt eine repräsentative Studie des Verbands Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO).
So nicht mehr, sagte sich das Hôpital du Jura - und hat eine präzise Zeiterfassung für alle Assistenz- und Oberärztinnen mit Kompensation oder Auszahlung sämtlicher Überstunden am Ende der Anstellung eingeführt. 
Zu den weiteren Neuerungen zählt der erstmals geschaffene Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Darin verankert sind unter anderem unbefristete Arbeitsverträge, ein Vaterschaftsurlaub von 10 Tagen sowie mehr Ferien ab einem bestimmten Lebens- oder Dienstalter. 
Zudem prüft eine Arbeitsgruppe, wie sich die Belastung durch die zunehmende Bürokratisierung des Arztberufs verringern lässt. 

Konstruktive Verhandlungen

Für diese Verbesserungen der Arbeitsbedingungen hat das Hôpital du Jura vom VSAO die «Spitalrose» erhalten. Mit der Auszeichnung ehrt der Verband jährlich ein Spital, eine Klinik oder eine Weiterbildungsstätte für Massnahmen, die die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte oder die ärztliche Weiterbildung verbessern. 
Thierry Charmillot, Direktor des Hôpital du Jura, würdigte an der Preisverleihung die grosse Arbeit und die konstruktiven Verhandlungen zwischen Spital und VSAO. «Natürlich ist noch nicht jedes Problem gelöst. Doch wir haben verstanden, wie wichtig es ist, die Arbeitsbedingungen der Ärzteschaft in der Inneren Medizin zu verbessern und etwas gegen die zunehmende Belastung aller Ärztinnen und Ärzte durch administrative Aufgaben zu unternehmen.»
Die «Spitalrose» wird seit 2014 verliehen. Erster Preisträger war das Kantonsspital St. Gallen. In den folgenden Jahren wurden das Universitätsspital Genf (HUG), die Insel Gruppe und das Kantonsspital Graubünden ausgezeichnet.

  • Mehr über die ausgezeichneten Spitäler

VSAO geht ins Bundeshaus

Im September 2018 startet der VSAO die zweite Welle der Kampagne «Medizin statt Bürokratie!». Sie läuft unter dem Motto «konstruktiv und konkret» und in Kontakt mit anderen Ärzteorganisationen. 
Geplant sind unter anderem die Propagierung erfolgreich umgesetzter neuer Ideen, eine breite Kommunikation mit spezieller Website und ein Auftritt im Bundeshaus. Dabei sollen Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit griffigen Beispielen aus der Praxis für das Problem der überbordenden Bürokratie sensibilisiert werden. 
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