«Schlafzimmerblick» oder einfach nur müde?

Seltene Krankheiten sind gar nicht so selten. Über eine halbe Million Menschen in der Schweiz sind betroffen. Ein Beispiel: Myasthenie, auch bekannt als «Schlafzimmerblick». Nun meldet das USZ einen Durchbruch in der Diagnose.

, 27. Februar 2016 um 15:00
image
  • forschung
  • universitätsspital zürich
Eine Krankheit gilt dann als selten, wenn sie höchstens eine von 2'000 Personen betrifft. Viele seltene Krankheiten treten aber noch viel seltener auf. Jede einzelne dieser Erkrankungen für sich ist zwar selten, da aber 5'000 bis 7'000 solche Krankheiten bekannt sind, kann man durchaus von einer Volkskrankheit sprechen. 

Der Schalttag ist der Tag der seltenen Krankheiten

Gemäss Schätzungen der Universität Lausanne leiden etwa 7,2 Prozent der Schweizer Bevölkerung an einer seltenen Krankheit, also rund 580'000 Menschen. Gegen die meisten seltenen Krankheiten gibt es keine wirksamen Therapien. Medikamente gegen seltene Krankheiten machen gemäss Branchenverband Interpharma nur rund drei Prozent der gesamten Medikamentenkosten aus. 
Trotzdem sind Behandlungen gegen seltene Krankheiten zu einem öffentlichen Thema geworden. So findet am 29. Februar 2016 der internationale Tag der seltenen Krankheiten statt (siehe auch hier). 

Myasthenie ist schwierig zu diagnostizieren

Myasthenie ist eine solche seltene Krankheit, die betroffene Patienten je nach Ausbreitung und Verlauf stark beeinträchtigt. Sie ist eine Autoimmunkrankheit, die zu Muskellähmungen führt, und äussert sich im «Schlafzimmerblick» mit hängenden Augenlidern und Doppelbildern. Früh behandelt, kann die Krankheit verlangsamt oder gestoppt werden. 
Die Diagnose ist jedoch schwierig. Neurologen und Ophthalmologen des Universitätsspitals Zürich haben dafür nun einen einfachen Test entwickelt, bei dem gemäss einer Mitteilung «sehr früh, mit geringem Aufwand und hoher Treffsicherheit» festgestellt werden kann, ob eine okulare Myasthenie vorliegt. Diese betrifft ausschliesslich die Augen, kann jedoch in eine generalisierte Form übergehen.  

Elektrische Impulse unter den Augen werden gemessen

Um die typische Ermüdung der Augenmuskeln zu messen, machten sich die Neurologen Yulia Valko, Konrad Weber und ihr Team eine Technik aus der Gleichgewichtsforschung zunutze: Mit einem auf der Stirn aufgesetzten Vibrator aktivierten sie über die Gleichgewichtsorgane die Augenmuskeln, um dann die elektrischen Impulse der Muskeln direkt unter den Augen zu messen.
In einer Studie konnten die Forscher nun nachweisen, dass sich aus den dabei aufgezeichneten Kurvenwerten mit hoher Wahrscheinlichkeit ablesen lässt, ob eine okulare Myasthenie vorliegt oder nicht. Publiziert wurde die Studie soeben in der Fachzeitschrift «Neurology». Die Methode wird nun weiterentwickelt und validiert. 
Mehr / Quellen:


Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Insel-Chirurg mit dem Håkan Ahlman Award ausgezeichnet

Cédric Nesti wurde von der Europäischen Gesellschaft für Neuroendokrine Tumoren für eine Publikation über die Gefährlichkeit von Lymphknotenmetastasen.

image

«The World's Best Hospitals 2024»: Universitätsspital Zürich in den Top Ten

Insgesamt drei Schweizer Häuser kamen in die Spitzengruppe des bekannten Rankings von «Newsweek» und Statista.

image

USZ schreibt neues Klinik-Informationssystem aus

Das Universitätsspital Zürich sucht als KIS einen Alleskönner, der die bisherigen Systeme konsolidiert. Da kommt wohl nur ein Anbieter in Frage.

image

Neues Prognosemodell weist auf Risiko für Opioidabhängigkeit hin

Unter der Leitung von Maria Wertli (KSB) und Ulrike Held (USZ) haben Forschende der ETH Zürich und der Helsana ein Modell zur Risikoeinschätzung einer Opioidabhängigkeit entwickelt.

image

Die Kantonsapotheke wird zur Züri-Pharm AG

Nach der Verselbständigung der Kantonsapotheke Zürich stehen auch bereits die Mitglieder des Verwaltungsrates fest.

image

PUK: Psychisch kranke Kinder sollen zu Hause behandelt werden

Mit einem neuen Angebot will die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich vermehrt psychisch kranke Kinder und Jugendliche zuhause behandeln.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.